Standen doch keine technischen Probleme einem Standort für den Amprion-Konverter auf Scholven entgegen? Uniper-Vorstand Holger Kreetz nennt in einem Schreiben an die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin nun wirtschaftliche Gründe für eine Bevorzugung der „grünen Wiese“ bei Altendorf-Ulfkotte.
Das Unternehmen Uniper hat in einem Schreiben an NRW-Umweltministerin Mona Neubaur noch einmal bekräftigt, dass ein großer Konverter für die Umwandlung von Gleichstrom aus Windkraft in Wechselstrom nicht am Kraftwerksstandort Scholven errichtet werden könne. Während Uniper in der Vergangenheit auch öffentlich argumentiert hat, es stünde auf dem Gelände aus technischen Gründen kein ausreichender Platz zur Verfügung, heißt es in dem Schreiben nun, Uniper wolle auf einer Freifläche im Norden des Standortes eine eigene Standortentwicklung vornehmen. Vielleicht sei diese Strategie des Konzerns „noch nicht klar genug kommuniziert worden“, heißt es in dem Schreiben an die Ministerin. „Deshalb können wir diese Flächen auch der Amprion nicht anbieten. Wir haben am Standort noch viel vor.“
„Unprofessionelle Hinhaltetaktik“ von Uniper
Bürgermeister Tobias Stockhoff zeigte sich verärgert über diese Aussage. „Der Bau des Konverters in Scholven ist technisch grundsätzlich möglich. Aber er ist aus unternehmenspolitischen und wirtschaftlichen Gründen an dieser Stelle durch Uniper nicht gewollt. Diese Hinhaltetaktik ist unprofessionell“, erklärte Stockhoff.
Stockhoff dankt ausdrücklich Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne): „Obwohl ihr Ministerium keine formale Zuständigkeit besitzt, hat sie sich sachkundig in die Thematik eingearbeitet und Gespräche zwischen allen Akteuren vermittelt. Im Gegensatz zum eigentlichen zuständigen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), der sich Gesprächen und auch einer möglichen politischen Entscheidung für den Standort Scholven und für die Menschen in Altendorf-Ulfkotte verweigert hat, obwohl – oder vielleicht gerade weil – das Unternehmen Uniper zu fast hundert Prozent im Besitz des Bundes ist.“
Die Stadt Dorsten lehnt weiterhin den Bau des Konverters auf einer Wiese nahe am Dorfkern von Altendorf-Ulfkotte ab. Auch Amprion bevorzugte den Standort Scholven, hatte jedoch die alternative Grünfläche erworben, falls der Bau dort nicht möglich ist.
Bürgermeister Stockhoff kündigt an, sich im Genehmigungsverfahren für „die ökologisch bessere Alternative“ auf Scholven einzusetzen. Er warnt davor, dass ein Vorgehen wie das von Habeck und Uniper das Vertrauen der Menschen gefährdet und betont, dass Uniper viel Vertrauen verspielt habe.
Brief an den Bundeskanzler
Nun wendet sich der Bürgermeister in einem Schreiben an Bundeskanzler Olaf Scholz. Darin heißt es unter anderem:
„Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
Uniper ist ein Unternehmen im Staatsbesitz. Das letzte Wort über Unternehmensentscheidungen sollte sich der Bund vorbehalten dürfen.
Herr Minister Habeck hat eine klare Positionierung des Bundes verweigert.
Daher möchte ich nun Sie im Namen der Menschen in unserer Region darum bitten.“




























