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Amprion-Konverter: Stockhoff schreibt Brief an Habeck

Veröffentlicht am

Fotos: Stadt Dorsten / Amprion / gemeinfrei

Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion aus Dortmund verwaltet das zweitgrößte Netz von Stromtrassen in Deutschland. Dass für eine wichtige neue Trasse nun eine große Anlage bei Altendorf-Ulfkotte entstehen soll, sorgt dort für heftigen Widerspruch. Wegen dieses Amprion-Konverters richtet Bürgermeister Stockhoff nun einen Brief an Wirtschaftsminister Habeck.

Hintergrund des Streits ist eine geplante Stromtrasse von der Nordseeküste bis nach Marl-Polsum. Ab Anfang der 2030er Jahre sollen Windkraftanlagen am Meer Strom erzeugen. Dieser soll von dort aus bis ins Ruhrgebiet transportiert werden. Das „Korridor-B“ genannte Projekt soll genug Ökostrom bereitstellen, um vier Millionen Menschen zu versorgen.

Die geplante neue Stromtrasse (in Rot). Grafik: Bundesnetzagentur

Die Stromtrasse soll helfen, den Energiebedarf in NRW auch nach dem Abschalten von klimaschädlichen Kohlekraftwerken zu decken. Dabei wird der Strom unsichtbar über Erdleitungen übertragen.

Konverter soll den Windstrom vor Ort nutzbar machen

Einen technischen Nachteil hat die Trasse dann aber doch. Weil Strom über weite Entfernungen verlustarm als Gleichstrom transportiert wird, können Haushalte damit zunächst nichts anfangen. Dazu muss er erst in Wechselstrom umgewandelt, also konvertiert werden. Eine solche Anlage, der geplante Amprion-Konverter, muss dazu am Ende der Leitung stehen. In diesem Fall also zwischen Altendorf-Ulfkotte und Marl-Polsum.

Ursprünglich wäre das kein Problem gewesen, denn auf dem Gelände des von Uniper betriebenen Kohlekraftwerks Scholven sollten zwei Kraftwerksblöcke bis dahin abgeschaltet und abgerissen sein. Die so entstehende Freifläche hätte genug Platz für den Konverter geboten. Nun hat aber eine andere Abteilung der Firma Amprion für diese beiden Blöcke einen Antrag auf Weiternutzung gestellt, was einen Abriss verhindert. Der Konverter soll nun außerhalb der Kraftwerksfläche auf der „grünen Wiese“ entstehen.

Heftige Kritik am Standort

Daran entzündet sich in Altendorf-Ulfkotte heftige Kritik. Die etwa 2000 Einwohner starke Bürgerschaft lehnt den Vorschlag mehrheitlich strikt ab. Sie erwartet durch die nur etwa 300 Meter entfernte Anlage eine weitere Belastung für das Dorf. Es wird gefordert, den Amprion-Konverter auf dem Kraftwerksgelände zu bauen, und nicht auf der nun vorgeschlagenen Freifläche.

Bürgermeister Tobias Stockhoff hat nun einen offenen Brief an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck verfasst. In diesem fordert er den Minister auf, den fast vollständig in Bundesbesitz befindlichen Uniper-Konzern noch einmal einen Standort auf dem Kraftwerksgelände prüfen zu lassen. Er hoffe auf Antwort vor dem kommenden Bürgergespräch am 11. Dezember, so Stockhoff.

Der Brief im Wortlaut

Sehr geehrter Herr Minister,
lieber Herr Dr. Habeck,

der Netzbetreiber Amprion muss in unserer Region einen Konverter für die Wind-Gleichstromtrasse „Korridor B“ von Heide/West ins Ruhrgebiet errichten. Da es sich bei der Gleichstromtrasse „Korridor B“ um ein Bundesländer übergreifendes Projekt handelt, das man sicher ein Rückgrat der Energiewende nennen kann, gehe ich davon aus, dass Ihnen die wesentlichen Details bekannt sind.

Der nun offenbar festgesetzte Standort für diesen Konverter wird sowohl von Bauherr Amprion wie auch der Stadt Dorsten nicht gewünscht und von der angrenzenden Bevölkerung strikt abgelehnt. Es handelt sich dabei um eine Freifläche im Außenbereich, nur rund 300 Meter von Siedlungsbereichen des Dorstener Stadtteils Altendorf-Ulfkotte entfernt.

Die Ablehnung ist nicht grundsätzlicher Natur, sondern liegt darin begründet, dass am Kraftwerksstandort Scholven in Gelsenkirchen eine bereits industriell genutzte und hervorragend geeignete Fläche zur Verfügung steht, die bisher auch von Bauherr Amprion favorisiert wurde. Die Fläche gehört dem Uniper-Konzern, der zu 99,12 Prozent der Bundesrepublik Deutschland gehört.

Laut einem Schreiben von RuhrEnergie GmbH (Uniper)-Geschäftsführer Arnd Vogt (vom 14.11.2023) wurde für die Kraftwerksblöcke B und C durch Amprion ein Antrag zur Systemrelevanz bis 2031 gestellt – mit dem Ergebnis, dass diese Flächen jetzt nicht mehr zur Verfügung stünden.

Mit einer Pressemitteilung und Einladung zu einem „Bürgerinfomarkt“ hat Amprion die Festlegung auf die Freifläche Altendorf-Ulfkotte nun am vergangenen Freitag (01.12.2023) öffentlich gemacht.

Dabei sind zwei Details besonders von Bedeutung:
  • Der Antrag zur Systemrelevanz der beiden Kohlekraftwerksblöcke wurde von (einer anderen Abteilung von) Amprion selbst gestellt – und somit die Flächenverfügbarkeit in Gelsenkirchen-Scholven für die Abteilung eingeschränkt, die den Konverter bauen will.
  • Die öffentliche Festlegung erfolgte vor einem Gespräch, das Ihre Amtskollegin auf Landesebene, Frau Wirtschaftsministerin Mona Neubaur, noch im Dezember mit Uniper führen möchte. Grundsätzlich befürwortet Frau Ministerin Neubaur die Nutzung perspektivisch auslaufender Kraftwerksstandorte.

    In Politik und Bürgerschaft der Stadt Dorsten besteht nun die klare Erwartungshaltung, dass Sie, sehr geehrter Herr Habeck, kurzfristig auf den in Bundeseigentum befindlichen Konzern Uniper zugehen und noch einmal die Möglichkeiten ausloten, den langfristig benötigten Konverter auf der dafür geeigneten und richtigen Kraftwerksfläche zu errichten. Dabei sollte beachtet werden, dass es auf der Kraftwerksfläche auch andere mögliche Flächen für einen Konverter gibt.

    Dass ein laufendes und nicht abgeschlossenes Prüfverfahren zur (möglichen!) Systemrelevanz von zwei Kohlekraftwerksblöcken und eine daraus (eventuell!) resultierende längere Laufzeit bis 2031 dazu führen, dass eine Anlage zur Energiewende nicht an einem bestehenden Energiestandort, sondern auf der grünen Wiese im Außenbereich errichtet werden soll, versteht hier kein Mensch.

    Im Anhang stelle ich Ihnen als wesentliche Dokumente zum aktuellen Stand
  • den letzten Schriftwechsel zwischen Amprion und Ruhr Energie GmbH / Uniper
    aus November
  • die Pressemitteilung von Amprion vom 01.12.2023
    zur Verfügung.

    Weitere Unterlagen lasse ich auf Wunsch gerne folgen. Details können Sie zudem sicherlich im Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen erfahren, das sich bereits intensiver mit diesem Thema befasst hat.

    Aufgrund der großen Bedeutung dieses Themas erhalten diese Mail auch die örtlichen Bundestagsabgeordneten sowie die Redaktion der lokalen Tageszeitung. Auch im Namen der Bürgerschaft und des Rates der Stadt Dorsten wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn wir noch vor dem geplanten „Bürgerinfomarkt“ am 11.12.2023 (Montag kommender Woche) eine erste Einschätzung von Ihnen erhalten könnten.

    Sehr geehrter Herr Minister,
    die Menschen in Dorsten und insbesondere in Altendorf-Ulfkotte haben die klare Erwartungshaltung, dass Sie sich gemeinsam mit Frau Ministerin Neubaur für eine ökologische wie nachhaltige Lösung einsetzen. Insbesondere bei allen Fragen zur Energiewende müssen wir zwingend die beste Lösung wählen, um die Menschen auf diesem Weg mitzunehmen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Tobias Stockhoff
    Bürgermeister

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