StartGeschichteGetrennt vom Zuhause: Die Kinderlandverschickung aus Dorsten

Getrennt vom Zuhause: Die Kinderlandverschickung aus Dorsten

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Bombenalarm, Sirenen, Nächte in Luftschutzkellern – das war Alltag im Zweiten Weltkrieg. Um Kinder vor dieser Gefahr zu schützen, wurde im ganzen Reich die sogenannten Kinderlandverschickung (KLV) organisiert. Auch Dorsten war betroffen: Viele Jungen und Mädchen wurden zwischen 1940 und 1944 aus ihren Familien gerissen und in ländliche Regionen geschickt, oft hunderte Kilometer entfernt. Ein Stück Kriegsgeschichte, das in der Stadt bislang kaum Beachtung fand.

Die Kinderlandverschickung wurde 1940 offiziell eingeführt. Ziel war es, Schüler aus bombengefährdeten Städten in „sichere“ Gegenden zu bringen. In Dorsten, das durch seine Lage an Lippe und Kanal mehrfach Ziel alliierter Angriffe war, traf dies vor allem Schulkinder zwischen 10 und 14 Jahren. Ganze Klassen wurden aus den Volksschulen zusammengefasst und mit ihren Lehrern in Sammeltransporten fortgeschickt.

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Manche Gruppen kamen nach Westfalen oder ins Sauerland, andere sogar bis nach Thüringen oder ins heutige Polen. Dort wurden sie in Barackenlagern oder in Pensionen untergebracht, oft weit weg von allem Vertrauten. Der Alltag war streng geregelt: Morgens Unterricht, nachmittags Sport und paramilitärische Erziehung – alles unter den Augen von Lehrern und NS-Betreuern.

Kinderlandverschickung
Foto: Bundesarchiv / Hoffmann 1941

Ein Leben in der Fremde

Für viele Kinder war das Leben in der Fremde ein Schock. „Ich erinnere mich, dass ich mit Heimweh im Bett lag und nur an meine Mutter dachte“, berichtet eine Dorstener Zeitzeugin Jahrzehnte später. Zwar gab es in manchen Lagern ausreichend zu essen und mehr Sicherheit vor Bomben, doch die Trennung von der Familie lastete schwer. Hinzu kam die ideologische Beeinflussung: In den KLV-Lagern sollte der Nachwuchs gezielt im nationalsozialistische Geist erzogen werden.

Mit dem Vorrücken der Alliierten 1944/45 lösten sich viele Lager chaotisch auf. Die Kinder kehrten nach Dorsten zurück – in eine Stadt, die zunehmend in Trümmern lag. Während manche froh waren, heil geblieben zu sein, fühlten andere sich entwurzelt und fremd. Besonders schwer traf es diejenigen, die nach ihrer Rückkehr ein zerstörtes Zuhause vorfanden oder Familienmitglieder verloren hatten.

Ein vergessenes Kapitel

Heute ist die Kinderverschickung in Dorsten kaum noch ein Thema. In Archiven finden sich Listen, welche Schulen beteiligt waren, doch viele Einzelschicksale sind nicht dokumentiert. Dabei sind es gerade diese persönlichen Geschichten, die deutlich machen, wie sehr der Krieg auch das Leben der Jüngsten prägte.

Die Erinnerung an die Kinderlandverschickung zeigt: Der Krieg bedeutete nicht nur Zerstörung durch Bomben, sondern auch das schmerzliche Auseinanderreißen von Familien. Für Dorsten ist es ein Kapitel, das lange im Schatten stand – und das es wert ist, erzählt zu werden.

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