Am Sonntagvormittag, 9. November 2025, haben rund 60 Menschen im Garten des Jüdischen Museums Westfalen der Opfer der Novemberpogrome von 1938 gedacht. Die Stadt Dorsten und das Jüdische Museum Westfalen hatten zu der Gedenkfeier mit Kranzniederlegung in den Museumsgarten an der Julius-Ambrunn-Straße 1 eingeladen.
Zwischen kahlen Ästen und zurückhaltender Symbolik entstand eine konzentrierte, ruhige Atmosphäre. Bürgerinnen und Bürger, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kultur und Zivilgesellschaft hatten sich eingefunden, um gemeinsam an die Gewalt gegen Jüdinnen und Juden vor 87 Jahren zu erinnern.

„Andenken lebendig halten“ – Worte von Dr. Kathrin Pieren
Zu Beginn der Gedenkstunde begrüßte Dr. Kathrin Pieren, Leiterin des Jüdischen Museums Westfalen, die Anwesenden. Sie erinnerte daran, dass die Novemberpogrome kein spontaner Gewaltausbruch gewesen seien, sondern ein orchestrierter Angriff auf jüdisches Leben in Deutschland.

Sie betonte die Verantwortung, die Geschichten der Opfer zu bewahren und weiterzugeben. Gerade in einer Zeit, in der immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ihre Erfahrungen persönlich schildern können. Gedenken, so ihre Botschaft, bedeute auch, sich bewusst zu machen, wie schnell Ausgrenzung in offene Gewalt umschlagen könne.
Im Anschluss übergab Pieren das Wort an Dorstens Bürgermeister Tobias Stockhoff.
Bürgermeister Stockhoff: Gedenken als Auftrag für heute

Bürgermeister Tobias Stockhoff knüpfte an diese Gedanken an. In seiner Ansprache dankte er dem Jüdischen Museum Westfalen für seine kontinuierliche Bildungs- und Erinnerungsarbeit. Die Ereignisse des 9. November 1938, so Stockhoff, seien ein fester Bestandteil der deutschen Geschichte. Damit auch Teil der Verantwortung der heutigen Generation.
Er machte deutlich, dass Gedenken mehr sei als ein jährlicher Termin im Kalender. Es gehe darum, Antisemitismus, Hass und Hetze im Alltag entschieden entgegenzutreten. Wer heute wegsehe, wenn Menschen ausgegrenzt oder bedroht werden, habe aus der Geschichte nichts gelernt, so die Kernbotschaft seines Beitrags.

Die schlichte Gestaltung der Feier unterstrich den Charakter der Veranstaltung: kein großes Zeremoniell, sondern ein bewusst ruhiger, würdevoller Rahmen, in dem gemeinsames Erinnern im Mittelpunkt stand. Die Veranstalter hatten es sich zum Ziel gesetzt, das Andenken an die Opfer lebendig zu halten und zugleich eindringlich an die Novemberpogrome von 1938 zu mahnen.

Im Anschluss an die Gedenkfeier zu den Novemberpogrome waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu eingeladen, in den Saal des Jüdischen Museums Westfalen zu kommen. Dort fand in Kooperation mit dem Jüdischen Museum, der Stadt Dorsten und der Friedrich-Naumann-Stiftung eine Lesung statt. Die Journalistin und Autorin Caroline Vongries wurde musikalisch begleitet. Die Liedermacherin Josefin Rabehl, die mit passenden Stücken aus ihrer eigenen Liederwerkstatt eindrucksvolle, nachklingende Zwischentöne präsentierte.





























