Schüler der Klassen 10a und 10b des Gymnasium Petrinum haben am Ewigkeitssonntag, dem 23. November 2025, eine besondere Gedenkveranstaltung gestaltet. Sie erinnerten an sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, die während der NS-Zeit in Dorsten ums Leben kamen. Die Präsentation fand auf dem sogenannten „Russenfriedhof“ in Holsterhausen statt, der gegenüber dem städtischen Friedhof Tüshausweg liegt.
Die Jugendlichen hatten mehrere Wochen lang an einem Projekt gearbeitet, das vom Historiker Dr. Marius Seydel vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge begleitet wurde. In dieser Zeit setzten sie sich intensiv mit dem Schicksal der Opfer auseinander. Ihre Ergebnisse stellten sie in Texten und kurzen Beiträgen vor. Dadurch entstand eine feierliche und zugleich sehr persönliche Form des Erinnerns.
Im Anschluss an die Gedenkfeier übergab Dr. Seydel das neu erstellte „Namenbuch der verstorbenen sowjetischen Kriegsgefangenen auf den Friedhöfen in Dorsten“. Zuvor hatte er die umfangreichen Recherchen im Ratssaal der Stadt Dorsten vorgestellt. Die Ergebnisse sind außerdem in der aktuellen 85. Ausgabe des Jahrbuchs der Herrlichkeit Lembeck und Stadt Dorsten veröffentlicht. Das Jahrbuch ist unter anderem in der Stadtagentur erhältlich.
Volksbund will Opfern die Identität zurückgeben
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge arbeitet seit 2020 kontinuierlich daran, Kriegsgräberstätten sowjetischer Gefangener zu rekonstruieren. Ziel ist es, den Opfern ihre Identität zurückzugeben und ihre Schicksale sichtbar zu machen. Dr. Seydel konnte fast 400 zuvor unbekannte Namen von in Dorsten verstorbenen Gefangenen ermitteln. Diese Arbeit gilt als wichtiger Beitrag zur historischen Aufarbeitung.
Der „Russenfriedhof“ in Holsterhausen erinnert noch heute an die Gewalt und das Leid der NS-Zeit. Die Gedenkveranstaltung und das Engagement der Schülerinnen und Schüler machten deutlich, wie wichtig dieser Ort für Dorsten ist. Auch die Übergabe der neu gefassten Gräberliste verstärkte die Bedeutung des Erinnerns.
Bürgermeister Tobias Stockhoff würdigte die Arbeit aller Beteiligten. Er betonte, dass jeder zurückgegebene Name ein Stück wiederhergestellte Würde bedeutet. Er lobte außerdem die Ernsthaftigkeit, mit der sich junge Menschen aus Dorsten mit diesem schwierigen Teil der Stadtgeschichte befassen. „Gedenken ist kein Blick zurück, sondern ein Auftrag für die Zukunft, uns gemeinsam für Frieden, Freiheit und Menschlichkeit einzusetzen“, so Stockhoff.
Die Veranstaltung zeigte, wie lebendig Erinnerungskultur sein kann. Sie lebt vom Mitwirken der Menschen und besonders vom Engagement junger Generationen, die Verantwortung für die Geschichte ihrer Stadt übernehmen.




























