Den Wonnemonat Mai begrüßen die Menschen auf unterschiedliche Weise: Viele rumpeln am Feiertag mit dem vollbepackten Bollerwagen feuchtfröhlich bis zum Pupillenstillstand durch die Gegend. Andere schwingen sich aufs Drahtross und teilen sich das Picknick mit Waldameisen und Borkenkäfern. Politisch Ambitionierte demonstrieren am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, auf Kundgebungen für Arbeitnehmerrechte. Und dann gibt es tatsächlich noch solche wie eine Kollegin, die sich auf ihre 1. Mai-Begrüßungsliste „Holzhacken“ mit anschließendem Grillen aufs Programm geschrieben hat.
Aber egal, zu welcher Fraktion man zählt, auf gar keinen Fall sollte man fahrlässig mit offenem Feuer umgehen. In der ausgetrockneten Natur brennt das Grün wie Zunder und breitet sich in unbere-chenbarer Schnelle aus. Dieser Schreckmoment widerfuhr kürzlich auch einem Ehepaar in meiner Nachbarschaft. Eigentlich wollte der ordnungsliebende Hausherr nur das wuchernde Unkraut am Heckensaum zum Gehweg mit einem Gasbrenner wegflämmen. Doch ein Windstoß trieb den Funken in die furztrockene Botanik, und schon züngelten die Flammen lichterloh.
Ehe der Gartenschlauch montiert war und Wasser spuckte, waren schon große Teile der Hecke vom Feuer gefressen, auch die heraneilenden Nachbarn konnten der wilden Feuersbrunst keinen nach-haltigen Einhalt gebieten. Die herbeigerufene Feuerwehr löschte schließlich das brandheiße Spiel mit gezielten „Wasser Marsch“ ins Gebüsch.
Rauchendes Brand-Mahnmal zum Mai
Zurück blieben ein schwarz-rauchendes Heckenskelett und ein Ehepaar, das letztendlich froh war, glimpflich davongekommen zu sein. Vor dem Brand-Mahnmal sammeln sich nun Spaziergänger zu Anteilnahme und Austausch. „Erst drücken sie uns ihr Bedauern aus“, berichtet das betroffene Ehe-paar und fügt empört hinzu, „und dann geben sie uns Ratschläge, wie wir am besten die Versiche-rung bescheißen können: ,Sagt doch einfach, jemand hätte Eure Hecke angezündet!‘“
Vermutlich sind das genau die Leute, die den ganzen Tag über den Niedergang Deutschlands me-ckern und ungeniert „abzockende Eindringlinge in unser Sozialsystem“ anprangern. Denen möchte ich raten: Geht nach Hause und denkt mal über Euch nach! Am 1. Mai habt Ihr ja Zeit dazu. Holz-hacken geht aber auch. Ich habe gehört, dass das zum Abbau von Frust und Aggression wahre Wunder wirken kann. In diesem Sinne tanzen wir nun alle zum Takt des traditionellen Frühlingsliedes in den Wonnemonat: „Komm, lieber Mai, und mache die Hecke wieder grün …“




























