Beim Wirtschaftsempfang in Dorsten hat die Wirtschaftsförderung WINDOR die lokale Unternehmerschaft in den Mittelpunkt gestellt. Im Jubiläumsjahr der Stadt ging es um Dank, Austausch und einen Fachvortrag, der deutlich machte: Cybersicherheit ist längst ein Thema für jeden Betrieb.
Die Galerie der Traumfänger im CreativQuartier Fürst Leopold war am Donnerstagabend nicht nur Veranstaltungsort, sondern auch ein passender Rahmen: alte Industriegeschichte, neue Netzwerke und ein Abend, der die Dorstener Wirtschaft nicht als Zahlensammlung betrachtete, sondern als Teil der Stadtgesellschaft.
Für Oliver Göttlich war es der erste Wirtschaftsempfang in seiner neuen Rolle als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung. Im vergangenen Jahr war er als neuer Geschäftsführer von WINDOR und DWG vorgestellt worden. Nun stand er gemeinsam mit Aneta Marx selbst als Gastgeber auf der Bühne.

WINDOR setzt beim Wirtschaftsempfang in Dorsten auf Nähe
Schon der Auftakt griff das Stadtjubiläum auf: 775 Jahre Stadt Dorsten bedeuteten an diesem Abend auch einen Blick auf mindestens 775 Jahre Wirtschaft in Dorsten. Marx erinnerte daran, dass die Wirtschaftsförderung in den vergangenen Wochen und Monaten viele Betriebe persönlich besucht habe.
Ihr Fazit fiel deutlich aus: „Dorsten verfügt über eine Wirtschaft, die vielfältig, breit aufgestellt und bemerkenswert widerstandsfähig ist.“
Göttlich und Marx machten klar, dass WINDOR nah an den Unternehmen bleiben will. Auf den Tassen, die die Gäste mitnehmen konnten, stand ein Satz, der zum Ton des Abends passte: „Business ohne Gedöns.“ Gemeint war eine Wirtschaftsförderung, die nicht nur über Standortfragen spricht, sondern Betriebe im Alltag begleitet.
Dazu gehören Netzwerke, Gespräche und Unterstützung bei individuellen Themen. Zugleich wurden die Belastungen nicht ausgespart: Bürokratie, Energiekrise, Fachkräftemangel, Lieferkettenprobleme und weitere Standortfragen gehören für viele Betriebe längst zum Alltag. Marx brachte den Kern der Einladung knapp auf den Punkt: „Deshalb möchten wir heute vor allem eines sagen: Danke.“
Bürgermeister Tobias Stockhoff würdigt Verantwortung der Betriebe
Bürgermeister Tobias Stockhoff ordnete den Abend in die Geschichte der Stadt ein. Dorstens wirtschaftliche Entwicklung sei eng mit Marktplatz, Handel, Handwerk, Industrie und dem heutigen Mittelstand verbunden. Der Empfang machte dabei deutlich: Die Unternehmen schaffen nicht nur Arbeitsplätze, sie prägen auch das Zusammenleben vor Ort.
In seiner Ansprache ging es deshalb auch um Gewerbesteuer, Ausbildung, Standorttreue und gesellschaftliches Engagement. Gerade in schwierigen Zeiten sei es nicht selbstverständlich, dass Betriebe investieren, Arbeitsplätze sichern, Nachwuchs ausbilden und sich zusätzlich in Vereinen, Projekten und lokalen Netzwerken einbringen.
Damit blieb der Abend nicht bei einem höflichen Pflichttermin stehen. Er setzte einen lokalen Akzent: Wirtschaftsförderung heißt in Dorsten nicht nur Flächen, Zahlen und Förderprogramme. Es geht auch um kurze Wege, persönliche Kontakte und die Frage, wie Stadt und Betriebe gemeinsam handlungsfähig bleiben.

Cybersicherheit wird zum Standortthema
Genau daran knüpfte der Fachvortrag von Nikolaus Stapels an. Sein Thema war Cybersicherheit, und er machte schnell klar, dass digitale Angriffe nicht nur Konzerne treffen. Kleine und mittlere Unternehmen sind ebenso im Blick von Kriminellen, oft sogar besonders dann, wenn sie sich selbst für zu unbedeutend halten.

Stapels sprach über Phishing, offene Geräte im Netz, Standardpasswörter, unsichere Backups und die wachsende Rolle von KI. Seine Botschaft war unmissverständlich: „Cyber geht uns alle etwas an.“
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Faktor Mensch. Technische Schutzsysteme helfen, reichen aber nicht aus, wenn im Alltag unbedacht auf Links geklickt wird oder verdächtige Vorfälle aus Unsicherheit nicht gemeldet werden. Stapels formulierte es zugespitzt:
„Mitarbeiter sind die größte Gefahr im Unternehmen, aber auch die stärkste Verteidigung.“
Nikolaus Stapels
Sein Rat an die Betriebe: Mitarbeiter schulen, Standardpasswörter ändern, Systeme aktuell halten, Zwei-Faktor-Authentifizierung nutzen und Datensicherungen nicht nur anlegen, sondern regelmäßig testen. „Datensicherung nicht nur durchführen, testen Sie die auch mal“, sagte Stapels. Genau daran scheitere es in der Praxis immer wieder.
Fehlerkultur statt Rechner aus und Feierabend
Neben Technik ging es um eine Haltung, die im Ernstfall entscheidend sein kann. Wer einen Fehler macht, muss ihn melden können. Wer eine verdächtige Mail öffnet, braucht klare Ansprechpartner und einen Notfallplan. Sonst wird aus einem kleinen Vorfall schnell ein Schaden, der ein Unternehmen tagelang lahmlegen kann.
Stapels brachte dieses Risiko mit einer Frage auf den Punkt: „Ist das für sie ein Freitagnachmittag-Problem oder ein Montagmorgen-Problem?“ Der Satz sorgte für Schmunzeln, hatte aber einen ernsten Kern: Ein Cybervorfall erledigt sich nicht, nur weil jemand übers Wochenende den Rechner ausschaltet.
Trotz des schweren Themas blieb der Vortrag nicht trocken. „Falls Sie selber mal gehackt werden möchten, rufen Sie mich gerne an. Kriegen wir hin, bis jetzt sind wir überall reingekommen“, sagte Stapels mit schwarzem Humor. Das Lachen im Saal zeigte: Der Warnruf kam an, ohne den Abend zu erdrücken.
Austausch, Stadtjubiläum und ein Abend mit Dorstener Handschrift
Nach dem Vortrag dankten Göttlich und Marx dem Referenten mit einem Dorstener Geschenkpaket. Göttlich hoffte augenzwinkernd, Stapels habe niemanden „auf irgendwelche neuen Unternehmensideen gebracht“.
Anschließend ging der Empfang in den Netzwerkteil über. Verschiedene Dorstener Anbieter sorgten für Essen, Musik kam unter anderem vom Fanfarenzug, dem Kulturverein Westfalen und Acoustic Noise mit Andre Wehmov. Dazu passte der Hinweis auf die Altstadtfest-Sonderseite: Dorsten feiert 775 Jahre Stadtgeschichte.

Der Wirtschaftsempfang zeigte, dass diese Geschichte nicht nur in Urkunden, Mauern oder Jubiläumsprogrammen steckt. Sie lebt auch in Betrieben, die Verantwortung übernehmen, Arbeitsplätze schaffen und sich immer wieder auf neue Herausforderungen einstellen müssen. Manchmal heißt diese Herausforderung Fachkräftemangel. Manchmal Lieferkette. Und manchmal eben ein verdächtiger Link im Postfach.




























