Dorstens Bürgermeister Tobias Stockhoff hat sich am heutigen Montag, 22. Juni 2026, am bundesweiten Aktionstag „Kommunen am Limit“ beteiligt. In den sozialen Medien machte er auf die aus seiner Sicht dramatische Finanzlage der Städte, Kreise und Gemeinden aufmerksam. Sein Appell richtet sich vor allem an Bund und Länder. Sie müssten die Kommunen endlich dauerhaft so ausstatten, dass diese ihre Aufgaben auch erfüllen können.
Der Beitrag steht nicht allein. Bundesweit machen Städte, Landkreise und Gemeinden an diesem Tag auf ihre angespannte Haushaltslage aufmerksam. Hintergrund ist ein kommunales Finanzierungsdefizit von mehr als 30 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Zugleich wachsen die Pflichtaufgaben, während für sogenannte freiwillige Leistungen immer weniger Spielraum bleibt.
Es geht um mehr als Zahlen im Haushalt
Stockhoff beschreibt in seinem Beitrag, was die Finanzkrise vor Ort bedeuten kann. Wenn Kommunen dauerhaft unterfinanziert bleiben, geraten Angebote unter Druck, die für viele Menschen selbstverständlich zum Alltag gehören. Dazu zählen Busse und Bahnen, Schwimmbäder, Schulen, Krankenhäuser, Parks, Spielplätze, Kulturangebote, Jugendangebote, Straßen und Bürgerdienste.
Damit rückt der Bürgermeister die Debatte bewusst weg von abstrakten Haushaltszahlen. Es geht um Leistungen, die Bürger unmittelbar spüren. Wenn Kommunen sparen müssen, zeigt sich das nicht nur in Tabellen, sondern in längeren Wartezeiten, verschobenen Sanierungen, geschlossenen Einrichtungen oder gestrichenen Angeboten.

Dorsten kennt die Lage aus eigener Erfahrung
Für Dorsten ist das Thema besonders konkret. Der Haushalt der Stadt für das Jahr 2026 wurde zwar von der Kommunalaufsicht ohne Auflagen genehmigt. Dennoch bleibt die Lage angespannt. Nach den Planungen schließt Dorsten das Jahr mit einem Minus von rund 34 Millionen Euro ab. Darin sind bereits Einsparungen im laufenden Betrieb enthalten.
Noch kann die Stadt auf Rücklagen zurückgreifen, die in den vergangenen Jahren aufgebaut wurden. Dieser Spielraum ist jedoch begrenzt. Sind die Reserven aufgebraucht, droht Dorsten ein Haushaltssicherungskonzept. Ein solches Konzept würde die kommunale Handlungsfreiheit deutlich einschränken. Freiwillige Leistungen könnten dann stärker unter Druck geraten.
Genau an diesem Punkt setzt Stockhoffs Appell an. Die Stadt könne zwar sparen und wirtschaftlich arbeiten, so die grundsätzliche Argumentation. Wenn aber immer neue Aufgaben von Bund oder Land übertragen würden, ohne dass die Finanzierung mitwachse, entstehe ein strukturelles Problem, das Kommunen allein nicht lösen könnten.
Neues Amt gibt dem Appell zusätzliches Gewicht
Bemerkenswert ist Stockhoffs Beitrag auch vor dem Hintergrund seines neuen Amtes. Der Dorstener Bürgermeister ist seit Mai Präsident des Städte- und Gemeindebundes Nordrhein-Westfalen. Damit spricht er nicht nur als Verwaltungschef seiner Heimatstadt, sondern auch als Vertreter einer der wichtigsten kommunalen Interessenvertretungen in NRW.
Der Verband vertritt die Interessen von Städten und Gemeinden gegenüber der Landespolitik. Zu den zentralen Themen zählen eine bessere kommunale Finanzausstattung, Bürokratieabbau, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Stockhoffs heutiger Appell passt damit genau in das Aufgabenfeld, das er mit seinem neuen Ehrenamt übernommen hat.
Das macht den Beitrag politisch relevanter. Stockhoff beschreibt nicht nur eine Dorstener Sorge, sondern greift eine Kernforderung der kommunalen Spitzenverbände auf: Wer politische Leistungen bestellt, muss sie auch bezahlen. Dieses Prinzip wird oft unter dem Begriff Konnexität zusammengefasst. Dahinter steht die Forderung, dass Bund und Land neue Aufgaben nicht einfach an Städte und Gemeinden weiterreichen dürfen, ohne zugleich dauerhaft die nötigen Mittel bereitzustellen.
Forderung an Bund und Länder
In seinem Facebook-Beitrag fordert Stockhoff drei Schritte. Das historische Defizit müsse ausgeglichen werden. Die Kommunen müssten dauerhaft entlastet werden, besonders bei den Sozialausgaben. Außerdem müsse das Prinzip gelten: Wer bestellt, bezahlt auch.
Für Dorsten ist diese Forderung nicht neu, sie erhält durch den Aktionstag aber zusätzliche Sichtbarkeit. Schon bei früheren Haushaltsdebatten hatten Bürgermeister und Kämmerer darauf verwiesen, dass die Stadt viele Belastungen nicht selbst verursacht habe. Steigende Sozialausgaben, höhere Standards, neue Rechtsansprüche und wachsende Anforderungen an Verwaltung, Schulen, Kitas und Infrastruktur wirken sich direkt auf den städtischen Haushalt aus.
Gleichzeitig erwarten die Bürger vor Ort funktionierende Leistungen. Die Müllabfuhr soll laufen, Schulen sollen saniert werden, Kitas sollen Plätze anbieten, Straßen sollen instand gehalten werden, Sport, Kultur und Jugendarbeit sollen möglich bleiben. Genau diese Erwartungen treffen auf immer engere finanzielle Spielräume.
„Dorsten erwartet Handeln“
Stockhoff schließt seinen Beitrag mit der Formulierung: „Dorsten – die Stadt, die Handeln erwartet.“ Damit knüpft er an das Stadtmotto an und verbindet es mit einer klaren politischen Botschaft. Dorsten wolle handlungsfähig bleiben, brauche dafür aber verlässliche Rahmenbedingungen.
Der Aktionstag „Kommunen am Limit“ zeigt damit auch in Dorsten: Die Finanzkrise der Städte und Gemeinden ist längst kein Randthema mehr. Sie entscheidet darüber, welche Leistungen vor Ort erhalten bleiben, welche Projekte noch möglich sind und wie viel Gestaltungskraft Kommunalpolitik in Zukunft noch hat.
Für Tobias Stockhoff ist der Tag zugleich ein erster sichtbarer Auftritt in einer Doppelrolle: als Bürgermeister einer Stadt mit angespanntem Haushalt und als neuer Präsident des Städte- und Gemeindebundes NRW. Seine Botschaft lautet: Die Kommunen haben lange gespart. Nun müssten Bund und Länder handeln, damit der Staat vor Ort handlungsfähig bleibt.




























