Tisa-Brunnen: Tobias Stockhoff zieht sein persönliches Fazit als Bürger(meister)
Der Tisa-Brunnen – Mahnmal, Denkmal, Kunstobjekt und Wasserspiel. Der bald 60 Jahre alte Tisa-Brunnen auf dem Marktplatz gehört zu Dorsten und ist im Bewusstsein vieler Bürgerinnen und Bürger verankert.
Eindrucksvoll unterstrichen hat das in den letzten Wochen die lebhafte Diskussion um die Zukunft dieses wohl bekanntesten Werks unserer Ehrenbürgerin Tisa von der Schulenburg, bekannt auch als die Ursulinin Schwester Paula.

Dass die Relief-Platten mit Texten und Motiven zur Dorstener Stadtgeschichte verwittert und teilweise stark brüchig sind, war in den letzten Jahren immer stärker erkennbar. Aber erst bei den Bauarbeiten zur Neugestaltung der Innenstadt konnte festgestellt werden, wie marode auch der (innere) Brunnenkörper ist, der diese Reliefs trägt und dass konkrete Gefahr für die Platten besteht.
Wie und wo soll dieser Brunnen künftig präsentiert werden?
Diese Frage stand damit im Raum und auf diese Frage darf keine einfache, sondern es muss eine kluge Antwort gefunden werden, die alle Aspekte berücksichtigt. Eine solche kluge Antwort gibt nicht die Meinung des Bürgermeisters, der einzelne Leserbrief in der Tageszeitung und wohl auch keine andere Einzelmeinung. Eine kluge Antwort findet sich erst in der Diskussion und in der Beteiligung von neutralem Sachverstand, der Bürgerschaft und der Politik.
Stadtbaurat Holger Lohse hat deshalb richtigerweise eine breit angelegte Diskussion initiiert. Ich habe mich als Bürgermeister bewusst in dieser Diskussion bis heute zurückgehalten, um keine Meinung und keine Linie vorzuprägen, obwohl ich natürlich eine Meinung zu diesem prägenden Brunnen auf Dorstens Marktplatz habe und die Meinung auch bei einzelnen Menschen immer wieder zur Diskussion gestellt habe.
In dieser Diskussion sollten vielmehr Bürgerinnen und Bürger ihre Meinung sagen können. Zusätzlich sollte der Beirat für Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Dorsten ein Votum abgeben. Die Einschätzung des Beirats liegt vor und sie ist mutig: Aus künstlerisches Sicht sei es wichtiger, die Reliefs dauerhaft gegen weiteren Verfall zu sichern, als wieder einen Brunnen mit diesen angegriffenen Platten zu errichten. Denn die Reliefs seien nach Meinung des Beirates das eigentliche Kunstwerk und mit durchaus kritischen Tönen zur Geschichte der Stadt auch ein Mahnmal.
Der Kunstbeirat hat damit nicht die erwartete Antwort gegeben, sondern die aus seiner Sicht und unter dem Blickwinkel der Kunstbetrachtung richtige. Diese Antwort ist mutig und sie ist das Ergebnis einer engagierten Diskussion. Den Mitgliedern des Beirates gebührt dafür unsere Wertschätzung.
Dennoch war und ist der Tisa-Brunnen als Ganzes viel mehr als nur ein „Träger“ für die Relief-Platten. In der Gesamtabwägung müssen wir weitere Aspekte in den Blick nehmen. Er war 60 Jahre Teil unseres Marktplatzes. Er war Denkmal und Spielplatz, mit seinem Plätschern ein Stifter für gute Laune, in seiner geraden und schlichten Form ein Stück heimatliche Vertrautheit. Das alles möchten viele Menschen erhalten wissen und darauf haben viele hingewiesen.
Das eine zu tun und das andere trotzdem nicht zu lassen, halte ich darum für den richtigen Weg.
Wir dürfen – auch in Wertschätzung unserer Ehrenbürgerin Tisa von der Schulenburg – die Betonreliefs nicht einfach dem weiteren Verfall preisgeben, der bis zur endgültigen Zerstörung vielleicht nur noch 10 oder 15 Jahre dauern würde. Wir dürfen zugleich das Empfinden so vieler Menschen nicht ignorieren, für die der Brunnen insgesamt ein bedeutendes Stück Dorsten ist. Den Brunnen als Rekonstruktion auf dem Marktplatz wieder aufzubauen, würde auch diesem Empfinden Rechnung tragen.
Das wäre übrigens nichts Ungewöhnliches: In vielen Städten werden Kunstwerke im öffentlichen Raum durch Repliken ersetzt, um die kostbaren Originale auf Dauer zu erhalten und dennoch einen für alle Menschen zugänglichen Tisa-Brunnen als Replikat auf dem Marktplatz zu finden, wie die Dorstener Kunsthistorikerin Marion Taube zu recht anführt.
Die durchaus emotionale Diskussion um den Brunnen hat mir aber noch etwas anderes gezeigt: Auch bald zwanzig Jahre nach ihrem Tod ist Tisa in den Erinnerungen der Menschen noch höchst lebendig, wirkt ihr Schaffen nach, hat sie einen Platz in vielen Herzen. Eine Ehrenbürgerin also, auf die wir bis heute stolz sein dürfen.
Mein persönliches Fazit als Bürger(meister): Bei der Zukunft des Tisa-Brunnen auf dem Marktplatz würde uns als Stadt eine gewisse sachliche Nüchternheit beim aktuellen katastrophalen (baulichen) Zustand des Kunstwerks, mehr Selbstkritik bei unserer bisherigen Wahrnehmung des Brunnens, ein gewisser Pragmatismus in der künstlerischen Bewertung von einem Replikat und etwas mehr inneres Brennen für unsere Stadtgeschichte und unsere Ehrenbürgerin weiterhelfen.
Ich bin mir sicher, der Stadtrat wird eine kluge Lösung für unsere Stadt finden.
Dorsten – die Stadt, die um eine gute Lösung beim Tisa-Brunnen ringt.




























