Dorsten. Offener Heiligabend – das bedeutet: Suppe kochen, singen, essen und dem Evangelium lauschen – noch vor einem Jahr war das im Pfarrheim St. Antonius beim Offenen Heiligabend selbstverständlich. In diesem Jahr entfällt das Fest, das einst für Obdachlose und einsame Menschen ins Leben gerufen wurde.
Erstmals seit Beginn Anfang der 80-er Jahre bleibt das Pfarrheim am 24. Dezember geschlossen. Normalerweise warteten die ersten Gäste schon um 17 Uhr vor dem Eingang. Obwohl die Feier erst um 19 Uhr begann. Manche gehen extra in die Kleiderkammer und kleiden sich dort schick ein.
Eine Stille Nacht
Durch die Pandemie ist alles anders. Kirchenglocken werden läuten, doch kein Lied wird in Gemeinschaft ertönen. Heiligabend in Holsterhausen bleibt in diesem Jahr eine stille Nacht an einem stillen Ort. „Für die Wohnungslosen war das hier immer richtig Weihnachten“, erklärt Poldi Fitting.
Seit über 23 Jahren ist sie am Heiligabend in Holsterhausen ehrenamtlich für andere im Einsatz. Sie und Peter Sumpmann sind die guten Seelen der Offenen Weihnacht, haben Jahr für Jahr alles liebevoll organisiert und schenkten anderen eine Freude. „Drei Frauen von uns kochen immer eine warme Suppe, die sehr gut ankommt und mittlerweile legendär ist“, sagt Poldi Fitting.
Die Menschen, die das Angebot sonst in Anspruch nehmen, kommen aus ganz Dorsten – ein Fahrdienst holt sie bei Bedarf ab. Ein Mann kam sogar aus dem Sauerland, weil sein Herz für die Offene Weihnacht in Dorsten schlug.
Ein offener Heiligabend gibt Momente, die in Erinnerung bleiben
„Einmal mussten wir das Fest verschieben, weil es so geschneit hatte“, erinnert sie sich. „Wir finden es sehr schade, dass der Offene Heilig Abend in unserem Pfarrheim St. Antonius ausfallen muss“, erklärt Sumpmann. Sie erinnern sich an viele Momente, die den Menschen ein Lächeln entlockten. „Nicht alle sind arm, aber viele sind allein“, meint Peter Sumpmann weiter.

Foto: privat
„Wir haben alle Schichten dabei“, ergänzt Poldi Fitting. Jeder versteht sich, egal vor welchem Hintergrund. So kann sie sich daran erinnern, wie ein Mann von der Kripo zum Offenen Heilig Abend kam. Und kurz darauf kam der Mann, den der Kripo-Beamte eingebuchtet hatte. Beide stutzten, als sie sich sahen. Schnell war die Situation geklärt: „Ich habe bis morgen Ausgang“, erklärte der Gefängnisinsasse.
„Unser Heiligabend fällt aus und wir hoffen, dass die Nachricht die Menschen erreicht. Wir hoffen sehr, dass wir uns alle an Heilig Abend im nächsten Jahr am üblichen Ort gesund wiedersehen! Bis dahin wünschen wir Ihnen alles Gute! Bleiben Sie gesund!“, erklärt das ehrenamtliche Team.
Sie möchten den Stammgästen zumindest eine kleine Aufmerksamkeit zu Weihnachten zukommen lassen. Denn auch, wenn sie nicht gemeinsam feiern dürfen, wird hier keiner vergessen.
Wer den Bedürften etwas Gutes zukommen lassen möchte, kann Geldspenden in den Pfarrbüros abgeben oder das Geld direkt auf das Caritas- Konto St. Antonius, IBAN: DE85 4265 0150 0017 0033 02, einzahlen. Verwendungszweck: „Offener Hl. Abend“. Für evtl. gewünschte Spendenquittungen geben Sie bitte Ihre Adresse auf dem Überweisungsträger an.
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