Vereinsleben genießt großen Stellenwert
Wer von der B58 in die Hervester Straße einbiegt, dem fällt sofort der Wappenbaum gegenüber dem Ehrenmal ins Auge. Er ist zusammen mit dem Brauturm der ehemaligen Rose-Brennerei das Wahrzeichen des Stadtteils. Gegenüber des 1925 erbauten Ehrenmals, das damals vielen Wulfenern zu pompös erschien, haben sich 28 Vereine mit ihren Wappen verewigt. Sie zeigen damit die Verbundenheit untereinander sowie ihre Zugehörigkeit zu Wulfen.
Das Vereinsleben hatte in Wulfen schon immer einen großen Stellenwert. Das Jubiläumsschützenfest vor zwölf Jahren sowie der Bau des Heimathauses drei Jahre später haben verstärkt dazu beigetragen, dass sich die Vereine untereinander stärker verbunden fühlen und sich gegenseitig unterstützen. „Dazu gehört auch, dass wir uns absprechen. Wir feiern und planen nicht zeitgleich unsere Feste oder unsere Veranstaltungen“, so Andreas Wanning, Vorsitzender des Schützenvereins.
Hier findet jeder den Verein, der ihm zusagt. Ob traditionell beim Schützenverein oder der Freiwilligen Feuerwehr, musikalisch bei Musikkapellen oder dem Gesangsverein, sportlich beim Fußball, Schießen oder Tanzen, aber auch heimatverbunden beim örtlichen Heimatverein.
Gebündelt werden die Interessen der verschiedenen Vereine im 2014 gegründeten Wappenbaumverein. Getreu dem Motto: „Unser Dorf soll schöner werden“, wurde die Wiese gegenüber dem Ehrenmal gesäubert und bepflanzt. Bänke und eine Wetterschutzhütte wurden aufgestellt. Gut sichtbar als Wahrzeichen des kleinen Parks steht der Wappenbaum, der 2011 zum ersten Mal zum Maitanz bat.

Die Veranstaltungen, insbesondere die des Fußballvereins Blau-Weiß Wulfen und des Schützenvereins, die des Tanzsportvereins TSZ Royal Wulfen, die Konzerte der Chöre und der Blasmusik oder auch die Feste des Heimatvereins ziehen regelmäßig auch „Auswärtige“ an und machen Wulfen damit über die Ortsgrenzen bekannt.
Der Heimatverein Wulfen
„Tradition ist die Bewahrung des Feuers, nicht die Anbetung der Asche.“ Dieses Motto von Gustav Mahler hat sich der mitgliederstärkste Verein des Dorfes, der Heimatverein Wulfen 1922 e. V., auf seine Fahne geschrieben. Und so agiert er auch. „Unser Vorstand ist immer offen für neue Ansichten“, erzählt Reinhold Grewer, Gruppensprecher des Vereins. „Wir sehen über den Tellerrand hinweg und legen das ein wenig angestaubte Image des Heimatvereins ab“, fährt er fort.
Der Heimatverein Wulfen könnte somit auch „Familienverein“ heißen. Für die 1154 Mitglieder wird von klein bis groß viel geboten. Bei Veranstaltungen für die „Junge Lüüd“ über die Brau- oder auch die Imkergruppe hin zu Kochgruppen oder die Brauchtumspflege wie dem Erhalt der Dorfgeschichten und alter Handwerkskunst, um nur einige der 16 Gruppen zu nennen, findet hier jeder seinen Platz.
Als Repräsentanten des Vereins bei Geburtstagen ab 80, zu Silber- und Goldhochzeiten, aber auch bei allen anderen Ereignissen der Heimatfreunde sind die Kiepenkerle immer mit dabei. Die fliegenden Händler von früher in ihrer Tracht, der Kiepe auf dem Rücken, mit Holzschuhen an den Füßen und mit Neuigkeiten im Gepäck, sind das Aushängeschild des Vereins.

Kräftig angepackt haben die Mitglieder und in Eigenhilfe 1997 das Flachsrösthaus sowie 2011 das Heimathaus gebaut. Letzteres dient dem Verein nicht nur als Möglichkeit für seine Ausstellungen, auch andere Vereine können es gerne nutzen. Den vom Verein organisierten Flachsmarkt, der jedes Jahr Tausende Besucher anzieht, sagten wir dieses Jahr ebenso wie alle anderen Veranstaltungen ab“, bedauert Reinhold. „Aber wir schauen nach vorne und bereiten uns momentan auf das 100-jährige Vereinsjubiläum im nächsten Jahr vor.“
Die Wulfener Schützen
Am 30. September 1833 fand Wulfens erstes urkundlich belegtes Schützenfest der „Vormaligen Wulfenschen Tuchmacherzunft“ statt. Dieses Datum gilt als Gründungsdatum des Allgemeinen Bürgerschützenverein Wulfen / Westfalen e. V. Aber schon weit vorher, in den Jahren 1592 und 1609 wurde in Wulfen gefeiert, wie in Chroniken nachzulesen ist. Das Schützenfest ist somit das älteste Fest im Ort. Über vier Tage lang feiern die Wulfener Schützen mit ihren Gästen. Bereits freitags haben die Jüngeren das Zelt mit der Disko für sich, gefolgt vom Ball am Samstag und dem Platzkonzert am Sonntag, bevor Montag das Vogelschießen beginnt.

„1908 wurde der Verein wiederbelebt und bereits zwei Jahre nach dem 1. Weltkrieg feierten wir wieder Schützenfeste bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges“, weiß Andreas Wanning, Vorsitzender des Vereins. Mit einer kurzen Unterbrechung stand das nächste Fest 1948 an, allerdings schossen wir mit der Armbrust. Eine Genehmigung mit Gewehren zu schießen gab es nicht. „1995 fand unser letztes Schützenfest auf dem Gelände hinterm Sportplatz Wittenbrink statt, seitdem feiern wir Schützen auf dem Festplatz am Großen Ring“, erzählt Andreas weiter.
Der Jubiläumsumzug zum 175-jährigen Jubiläum im Jahre 2008 mit 2000 Teilnehmern ist bei allen Wulfenern noch in guter Erinnerung. 80 Vereine, 11 Musikkapellen, alle 13 Dorstener Schützenvereine und der Schützenverein Lippramsdorf beteiligten sich am zwei Kilometer langen Festumzug durch die geschmückten Straßen im Dorf. Im 2007 erschienenen Bildband ist das Ereignis für die Nachwelt festgehalten. Mitglieder pflegen das Ehrenmal, die Gedenkstätte gegen Krieg und Gewalt zum Gedenken an verstorbene und vermisste Wulfener während des Krieges. Auch heute steht es nach wie vor auch für den Wunsch nach Frieden und Freiheit.
Die Blasmusik Wulfen
Auch wenn der Verein seit der Gründung umbenannt wurde, so bleibt die Blasmusik Wulfen e. V. weiterhin ein Garant für gute Musik. 100 Jahre Blasmusik, das sollte groß gefeiert werden. Zwei Jahre lang plante der Verein Veranstaltungen übers ganze Jahr verteilt, dann kam das Virus. Die Folge: keine Auftritte, keine Proben, keine Treffen mit ehemaligen Blasmusikern, kein Jubiläumskonzert, kein Benefizkonzert, kein Festwochenende.

„Das ist natürlich sehr schade“, bedauert Anne Theemann, die erste Vorsitzende des Traditionsvereins. „Aber wir konnten zumindest einen neuen Termin für das Benefizkonzert mit dem Musikkorps der Bundeswehr festmachen. Der Erlös unterstützt den Förderverein für die Jugendarbeit in der Blasmusik als auch die Lebenshilfe“, fährt sie fort.
Die Proben zum geplanten Konzert-Projekt „Blasmusik and Friends“ mit ehemaligen Blasmusikerinnen und –musikern, aber auch für alle weiteren Interessierten, werden wie geplant durchgeführt. „Die einstudierten Stücke führen wir hoffentlich in diesem Jahr beim Konzert und auch darauf freuen wir uns besonders“, spricht Anne im Namen aller 70 aktiven Mitglieder.




























