„Eichen schwingen nicht so gut, Tanne, Obstbäume oder Ulme sind besser“, erklärt mir Klaus Alte-Teigeler. „Ohne Schwingung kein Ton.“ Da diese Bäume heimisch sind und das Holz sich nicht dem Wetter anpassen muss, ist das Didgeridoo aus diesem Material stets einsatzbereit. Zum Beweis packt Klaus sein handbemaltes Didgeridoo aus und gibt mir eine kleine Privatvorstellung. Ich bin überrascht über die vielen unterschiedlichen Töne, die aus diesem hohlen Stück Baum herauskommen.  

Das Horn der Eingeborenen

War das typischste Instrument Australiens hier lange unbekannt, so änderte sich das im Jahre 2000, als die Olympischen Spiele in Sydney stattfanden. Plötzlich schwappte die musikalische Spielweise der australischen Ureinwohner nach Deutschland. Klaus Alte-Teigeler genoss zwar eine musikalische Grunderziehung, weil sein Vater es so wollte, aber Spaß daran hatte er nicht wirklich. „Das war nicht meins“, erinnert er sich. Sein Interesse an der Musik änderte sich jedoch schlagartig, als er in Essen einem Duo zuhörte, das auf Didgeridoos spielte. „Ab da war ich infiziert und kaufte mir sofort ein eigenes ‚Holzrohr‘. Ich war unheimlich stolz, aber eigentlich war es kein guter Kauf. Erst später habe ich verstanden, was ein gutes Didgeridoo wirklich ausmacht.“ 

Klaus Alte-Teigeler suchte sich alles zusammen, was er über das „Horn der Eingeborenen“ finden konnte, was allerdings nicht allzu viel war. Dennoch übte er nach den wenigen Anleitungen, die er fand und bekam immer mehr Kontakte zu anderen Didgeridoospielern. 

Schwingende Lippen 

„Ab März 2001 nahm mich das Blasinstrument dann während eines Kurses komplett gefangen“, blickt der Holsterhausener zurück. „Ich übte die schwingenden Lippen und die Wangenatmung. Ich blies abwechselnd mit der rechten, dann wieder mit der linken Wange und irgendwann beherrschte ich auch die sogenannte Zirkularatmung.“ Bei dieser Atmung wird gleichzeitig gespielt und durch die Nase eingeatmet. „Eine Technik, auf die viele Bläser neidisch sind“, lacht Klaus. „Ich spielte mich oft in Trance und merkte nicht, dass ich schon eine Stunde lang übte. Zum Glück hatte und hat meine Frau großes Verständnis für meine Leidenschaft.“ 

SuperRoo  

Beim Üben blieb es nicht, Klaus besuchte Festivals, knüpfte weitere Kontakte und bekam mehr und mehr als „SuperRoo“ einen Namen in der Didgeridoo-Szene. Nun veranstaltete er selbst Workshops, trat auf Festivals in Europa auf und begleitete die Neue Philharmonie Westfalen beim Konzert der „Zauberflöte“ zusammen mit Walter Falk und dessen Berufsschülern mit selbst gebauten Didgeridoos.     

Die Hand klopf beim Didgeridoo-Spiel immer gleich schnell den Takt
Foto: Christian Sklenak

„Ich habe für meine Schüler sogar Noten erfunden, denn die gibt es für dieses Instrument nicht“, erzählt er und erklärt weiter: „Striche und Haken zeigen an, wann der Spieler ein- und ausatmen muss.“  

Wenn schon ein Musikinstrument der Aborigines, dann wollte Klaus Alte-Teigeler es auch so spielen wie sie. Dazu erklärt er mir, dass in Deutschland jedes Musikstück nach dem Schema Einleitung, Melodie, Refrain, Brücke und Endung aufgebaut ist. Was das genau bedeutet, verstehe ich erst, nachdem er mir dieses Schema vorspielte und dann zum 7-er Rhythmus wechselte. Diesen Rhythmus verbinde ich gefühlsmäßig sofort richtig mit dem Didgeridoo-Spiel. 

Aus-Zeit 

So langsam kehrt in unsere Leben wieder Normalität ein und somit freut sich der 57-Jährige auf die „Aus-Zeit“, dem Australien Day am 26. Januar 2022 in der St.-Antonius-Kirche in Holsterhausen. Damit hat Klaus jetzt einen Anreiz mehr, das Holzinstrument wieder öfter in die Hand zu nehmen und ein wenig zu spielen.      

Klaus Alte-Teigeler gibt ab Ende des Jahres voraussichtlich wieder Workshops. Leih-Didgeridoos sind vorhanden, aber zum Ausprobieren tut es auch ein h70 Abflussrohr aus dem Baumarkt mit einem Mundstück aus einem kleinen Stück Wachs. 

Kontakt zu ihm bekommen Sie über Facebook (Superroo) oder unter der Handynummer 01515 7664064. 

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Hallo, ich bin Martina Jansen. Meine Heimat ist das Monatsmagazin „Lokallust“, aber da wir mit den „Heimatmedien“ eng zusammenarbeiten, richte ich mich seit einiger Zeit nun auch hier als freie Mitarbeiterin häuslich ein. Als nicht gelernte Redakteurin schreibe ich aus dem Bauch heraus und lasse dabei unbewusst, gerne aber auch ganz bewusst, redaktionelle Regeln aus. Soll heißen: Ich schreibe so, dass ich auch verstanden werde. Gerne treffe ich mich mit Menschen aus Dorsten, Schermbeck oder Raesfeld, die ein verrücktes Hobby haben, ehrenamtlich tätig sind oder einfach „gut drauf“ sind, also mit Menschen wie du und ich und bin jedes Mal darauf gespannt, welche Geschichte am Ende dabei herauskommt.

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