Im Alter von 101 Jahren ist Klaus Moyseschewitz in Dorsten verstorben. Mit ihm geht ein Zeitzeuge, dessen Leben ein ganzes Jahrhundert deutscher Geschichte widerspiegelt.
1924 wurde er im ostpreußischen Königsberg geboren und wuchs in Rastenburg auf. Seine Jugendjahre waren geprägt von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Zwischenkriegszeit. Als junger Mann musste er den Zweiten Weltkrieg erleben: Arbeitsdienst in Estland, Einberufung als Soldat, Gefangenschaft und schließlich die Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1948. Dass er trotz allem niemandem das Leben nehmen musste, empfand er sein Leben lang als großes Glück. „Warum soll der Mann mir gegenüber mein Feind sein?“, fragte er sich damals schon – ein Gedanke, der ihn nie wieder losließ.
Nach seiner Heimkehr arbeitete er zunächst als Bergmann und Tankwart, ehe er im Tanklager des Stadthafens Gelsenkirchen eine feste Anstellung fand. Dort stieg er bis zum Leiter der technischen Verwaltung auf. Sein Leitsatz lautete: „Ihr könnt mir alles geben, und ich versuche es zu erlernen.“
Privat prägte ihn die lange Ehe mit seiner Frau Elisabeth, mit der er sieben Jahrzehnte verheiratet war. Neben der Familie zählten das Reisen, Schach und Tanzen zu seinen Leidenschaften.
Sein Interesse galt auch der Philosophie und den Religionen, mit denen er sich intensiv auseinandersetzte. Nach seiner Pensionierung absolvierte er ein Heilpraktiker-Fernstudium. „Ich wollte mein Leben nicht ohne Sinn und Verstand dahinplätschern lassen“, sagte er einst.
Die Erinnerung an Krieg und Gefangenschaft machten ihn zu einem Mahner für Frieden. „Es ist doch einfach nur Unsinn, wenn wir uns bekriegen“, lautete sein Credo. Mit 97 Jahren veröffentlichte er seine Autobiografie – ein fast 300 Seiten starkes Werk, in dem er seine Erinnerungen aufarbeitete und weitergab.
Klaus Moyseschewitz hinterlässt ein Leben, das von Beständigkeit, Lernbereitschaft und einem klaren Bekenntnis zu Frieden und Menschlichkeit geprägt war.




























