Über „regional“ und „digital“ wird viel geredet und oft bleibt es dabei. In Dorsten steht dagegen ganz konkret ein Stadtportal in den Internet-Startlöchern: Die Initiative „Echt Dorsten“ will Marketing-, Handels- und Dienstleistungsplattform sein – für Händler, Handwerker, Vereine und für alle, die in Dorsten einkaufen oder einfach mehr über die Stadt, ihre Aktivitäten und Gruppen erfahren wollen.

Bürgerportal? 

Ja, eben von Dorstenern für Dorstener,“ sagt Bayram Ünlü, gemeinsam mit seinem Bruder Saban einer der Köpfe hinter „Echt Dorsten“. In ihrer Firma netTrek an der Fürst-Leopold-Allee laufen aktuell die Fäden beim Aufbau des Bürgerportals zusammen. Hier werden gerade die Funktionen der Internetseite entwickelt und getestet.

Als Smart Region Botschafter repräsentiert netTrek die Digitalisierungsaktivitäten und -kompetenzen der Emscher-Lippe-Region. Nicht alleine deswegenen wollen Saban und Bayram Ünlü die Digitalisierung in der Stadt vorantreiben und entwickeln seit Ostern 2020 Konzepte dafür.

Im Team mit dem Unternehmerverein „Sag Ja! zu Dorsten“ und der städtischen Wirtschaftsförderung „WINDOR“ geht es darum, mit „Echt Dorsten“ für Kunden, Anbieter und Mitbürger einen größtmöglichen Mehrwert zu schaffen.

Das Ziel ist klar: „Die Wirtschaft vor Ort stärken und mit vereinten Kräften gegensteuern, damit nicht die ganze Kaufkraft zu den Amazons und Ebays dieser Welt abfließt,“ so Bayram Ünlü.

Aber die Innenstadt stärken, Leute für lokale Geschäfte und Produkte begeistern, das kann kein Händler, keine Wirtschaftsförderung, keine Stadt allein lösen, stimmt ihm die Marketingbeauftragte der Initiative, Claudia Michel, zu. An dieser Stelle kommt die Gemeinschaftslösung „Echt Dorsten“ ins Spiel: Indem sich Anbieter und Dienstleister die Infrastruktur teilen – also gemeinsam auf einer Webseite auftreten – wird der digitale Auftritt für jeden erschwinglicher.

Mehr als nur Shopping

Spannend ist „Echt Dorsten“, weil es Unternehmen, Dienstleistungen, Stellenangebote und Produkte stadtteilbezogen präsentiert. Geplant ist, dass „Stadtteilpaten“ die Dorstener mit allgemeinen Nachrichten und Veranstaltungen beliefern. Damit haben Bürger alle wichtigen Informationen und Produkte ihres Stadtteils im Blick.

In Kürze werden hierfür auch Freiwillige gesucht, die für Ihre Stadtteile Inhalte veröffentlichen. Angebote gab es schon, was das Projektteam sehr freut. Auf Wunsch einiger Vereine erstellt das Team auch einen speziellen Zugang, damit Vereinsnews und -Termine einfach und schnell über „Echt Dorsten“ einseh- und vor allem findbar werden.

Das andere Standbein neben dem Infoportal ist der Shoppingsektor, in dem lokale Händler künftig über eine digitale Schnittstelle ihre Produkte einpflegen können, um für lokale Käufer sichtbar zu werden. Ob nur einzelne Artikel oder ein breites Sortiment – das bleibt jedem selbst überlassen.

Auch wer keinen Shop eröffnen möchte, soll sich bei „Echt Dorsten“ wiederfinden: Dienstleister wie Friseure stellen vielleicht einen Terminkalender mit Buchungsmöglichkeiten online, die Wohnungsbaugesellschaft ihr Portfolio freier Wohnungen. Und der Kunde schreibt den Malermeister per Formular an und bittet um einen Kostenvoranschlag.

Das alles möglichst benutzerfreundlich und mit Support vor Ort durch netTrek. „So kann Digitalisierung auch umgesetzt werden, wenn man keine Kette oder Marketingabteilung im Hintergrund hat,“ sagt Susanna Schönrock-Klenner vom Verein Sag JA! zu Dorsten.

Besondere Herausforderung: Die Logistik

Die Softwareentwickler bei netTrek programmieren gerade die Zahlweisen, Warenkörbe und Liefervarianten des Shops. Keine leichte Aufgabe, wenn man sich vorstellt, dass ein Kunde möglicherweise bei vier Händlern je einen Artikel kauft.

Kurzfristig liefern Paketdienstleister die Waren aus. Aber langfristig erarbeitet das Team ein lokales Lieferkonzept. So sollen die Waren vor Ort nicht nur bestellt, sondern auch zusammengestellt, verpackt und ausgeliefert werden.

Wie finanziert sich „Echt Dorsten“?

Viel Denk- und Programmierarbeit ist schon in das Projekt „Echt Dorsten“ geflossen. Aktuell finanziert sich das Projekt mit Hilfe der beteiligten Teilnehmer: Der Firma netTrek, dem Unternehmerverein „Sag Ja! zu Dorsten“ und der städtische Wirtschaftsförderung „WINDOR“.

Für die Dorstener Firmen und Dienstleister, die mitmachen, wird es Bezahlmodelle und Paketpreise geben. Je nach Bedarf können die Unternehmen von unterschiedlichen Paketen wie dem Shopsystem, Lieferservice oder Anzeigen- und Bannerwerbung profitieren.

Auch Sponsoren und Mäzene sind Teil des Finanzierungskonzeptes. „Für jeden erschwinglich“ soll die Teilnahme sein und der Supportgedanke wird großgeschrieben. Die Digitalisierung soll den Unternehmen so einfach wie möglich gemacht. Gerne unterstützt das Team von „Echt Dorsten“ bei der Texterstellung und Bildrecherche.

Mal schauen? Bürgerportal „Echt Dorsten“ 

Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte: Auf der aktuellen Übergangsseite https://echtdorsten.de können sich Bürger und Unternehmer die Details des Projektes ansehen. Wer als Anbieter dabei sein will, kann bereits mit dem Einpflegen seiner Daten beginnen. Dies ist solange kostenfrei, bis die Seite für die Bürger freigeschaltet wird. Die ersten Partner werden mit zusätzlichen Rabatten belohnt.

Wie kann ich mitmachen bei Echt Dorsten?

Ob Handwerker, Händler, Gastronom, Verein: „Echt Dorsten“ möchte die gemeinsame digitale Heimat möglichst vieler regionaler Akteure werden. Für den Startschuss (vermutlich im Frühsommer) sucht das Bürgerportal nach Initialunternehmen & Sponsoren, die zu besonders attraktiven Eckbedingungen einsteigen. Wer Teil der Gemeinschaft werden möchte und weitere Details benötigt, meldet sich am besten unter [email protected]. Auf der echtdorsten.de-Webseite kann man sich auch schon für den Newsletter anmelden, in dem die Initiative über die Fortschritte berichtet.

Woher kommt die Idee „Echt Dorsten“?

Beim ersten Corona-Lockdown 2020 arbeiteten die netTrek-Gründer an einem Benefiz-Software-Projekt (#WirVsVirus) zur Nachverfolgung von Infektionsketten mit. In Berlin. Wo doch auch direkt vor der Haustür Projekte auf der Hand liegen, so Saban Ünlü. Denn die Corona-Krise machte sehr deutlich, dass in Dorsten – wie überall – die Innenstädte unter dem steigenden Anteil des Onlinehandels leiden und kleine, lokale Unternehmen bei der Digitalisierung oft nicht mithalten können. Eine bessere digitale Anbindung wäre da eine große Hilfe. So suchte die Firma Mitstreiter vor Ort und fand sie im Unternehmerverein „Sag Ja! zu Dorsten“ und der städtischen Wirtschaftsförderung „WINDOR“.

Erklärtes Ziel: Gemeinsam einen lokalen Onlinemarktplatz aufziehen und mit „Echt Dorsten“ sogar zur Stadtmarke werden.

Fotos: Moritz Brilo(2), Nicole Gerding(1), Marc Gruber(1) und privat.

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André Elschenbroich
Moin, ich bin André Elschenbroich. Vielen bekannt unter dem Namen Elsch. Der Eine oder Andere verbindet mich noch mit der WAZ, bei der ich 1988 als freiberuflicher Fotojournalist anfing und bis zur Schließung 2013 blieb. Darüber hinaus war ich in ganz Dorsten und der Region gleichzeitig auch für den Stadtspiegel unterwegs. Nachdem die WAZ dicht machte, habe ich es in anderen Städten versucht, doch es war nicht mehr dasselbe. In über 25 Jahren sind mir Dorsten, Schermbeck und Raesfeld mit ihren Menschen ans Herz gewachsen. Als gebürtiger Dorstener Junge merkte ich schnell: Ich möchte nirgendwo anders hin. Hier ist meine Heimat – und so freut es mich, dass ich jetzt als festangestellter Reporter die Heimatmedien mit multimedialen Inhalten aus unserer Heimat bereichern kann.

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