Der 22. März 1945 gehört zu den dunkelsten Tagen der Dorstener Stadtgeschichte. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Altstadt von Dorsten und das Dorf Wulfen durch schwere Bombenangriffe nahezu zerstört. Am 81. Jahrestag wird in beiden Stadtteilen erneut an die Opfer und die verheerenden Ereignisse erinnert.
Am Morgen des 22. März 1945 griffen amerikanische Bomberverbände zunächst Wulfen an. Gegen 10.10 Uhr wurden unter anderem die St.-Matthäus-Kirche, der Bahnhof, der Friedhof sowie Wohnhäuser getroffen. 23 Menschen verloren dabei ihr Leben. Wenige Stunden später, gegen 14 Uhr, traf es die Dorstener Altstadt mit voller Wucht: 377 Tonnen Luftminen und Sprengbomben verwandelten die Innenstadt innerhalb von weniger als 20 Minuten in ein Flammenmeer. Die historische Altstadt wurde nahezu vollständig zerstört, fast 300 Menschen starben, rund 700 Familien verloren ihr Zuhause.
Gedenken in Wulfen und Dorsten
Auch 81 Jahre später bleibt die Erinnerung lebendig. In Wulfen beginnt das Gedenken am Samstag mit einem Gottesdienst um 9 Uhr in St. Matthäus, musikalisch begleitet vom Kirchenchor Cantus St. Matthäus. Im Anschluss lädt der Heimatverein Wulfen ab 10 Uhr zu einer Gedenkstunde neben der Kirche ein. Bei schlechtem Wetter findet das Gedenken im Gebäude statt. Schülerinnen und Schüler der Montessori-Schule sowie der Gesamtschule Wulfen gestalten das Programm gemeinsam mit dem Kirchenchor.
Gegen 11.15 Uhr wird im Matthäusheim ein Film gezeigt, in dem Zeitzeugen über ihre Erlebnisse berichten. Im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern des St.-Ursula-Gymnasiums schildern sie ihren Alltag im Nationalsozialismus, die Zerstörung am 22. März 1945 und das Leben in der Nachkriegszeit.

In Dorsten selbst wird der Jahrestag ebenfalls mit mehreren Veranstaltungen begangen. In der St.-Agatha-Kirche läutet um 11 Uhr sowie erneut um 14 Uhr die Totenglocke. Während des Gottesdienstes wird es eine Schweigeminute für die Opfer geben. Am Nachmittag um 14 Uhr laden die Franziskaner zu einer Andacht in die Klosterkirche in der Innenstadt ein.
Direkt im Anschluss, gegen 14.30 Uhr, beginnt ein besonderer Rundgang durch die Innenstadt. Stadtführerin Petra Eißing führt unter dem Titel „Auf den Spuren der zerstörten Stadt“ durch Dorsten. Ausgangspunkt ist das Franziskanerkloster an der Lippestraße. Während des Rundgangs können sich die Teilnehmer historische Bilder ansehen, die die Zerstörung dokumentieren und den Vergleich mit dem heutigen Stadtbild ermöglichen. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung bei der Stadtagentur wird jedoch erbeten.
Mahnung für Gegenwart und Zukunft
Bürgermeister Tobias Stockhoff unterstreicht die Bedeutung des gemeinsamen Erinnerns deutlich: „Die Bomben fielen nicht aus heiterem Himmel auf Dorsten, sondern waren die Antwort auf Nazi-Verbrechen, die ihren Ursprung in unserem Land haben. Sie gehörten zur letzten Offensive der Alliierten in einem Krieg, den Deutschland begonnen und im März 1945 längst verloren hatte.“
Zugleich sieht er im Gedenken eine klare Verantwortung für die Gegenwart: „Die Erinnerung an diese Schrecken und die Trauer um die Opfer mahnen uns, entschieden für Demokratie und Völkerverständigung einzutreten. Unser Stadtdialog für Menschenwürde, Demokratie und Respekt und unsere Städtefreundschaften in aller Welt gehören zu den Lehren, die wir aus dieser Geschichte für die Zukunft gezogen haben.“




























