Einst war es eine Backstube mit Stallgebäude – heute ist das Heimathaus in Hervest ein Treffpunkt der Generationen. Bis zur Verwandlung waren aber viel Zeit und Einsatz gefordert.
Stolz führt Hans Fromm den Besucher durch das Heimathaus Hervest. Es sind helle, einladende Räume mit viel Platz für Gäste, aber auch gemütliche Stuben für kleinere Anlässe. „Hier befinden wir uns im ehemaligen Stall“, erklärt der Vorsitzende des Heimatvereins Dorf Hervest lächelnd. Doch statt der für Bäcker seinerzeit typischen Schweine erwarten die Besucher ein gepflegter und einladender Saal mit Thekenbereich und gemütlichen Sitzgelegenheiten.

Die ruhige Gemütlichkeit täuscht: Lange füllte diese Räume ein brummender Handwerksbetrieb. Über viele Jahrzehnte war das Gebäude an der Glück-Auf-Straße 376 der Hauptsitz der Bäckerei Meuser. 1903 gegründet, lebten und arbeiteten hier drei Generationen der Bäckerfamilie als wichtige Versorger im Dorf Hervest. Der Betrieb ging vom Vater auf den Sohn, und dann auf den Enkel über.
Junger Verein zog zunächst auf den Bauernhof
Die Bäckerei war auch noch im vollen Betrieb, als sich der Heimatverein Dorf Hervest im Jahr 1990 gründete. Viele Hervester fühlen sich ihrem Stadtteil mit Herz verbunden, und so dauerte es nicht lange, bis der noch junge Verein zu einer stattlichen Gemeinschaft angewachsen war. Unter dem damaligen Vorsitzenden Werner Funk suchte man nach einer gemeinsamen Heimstatt und fand sie zunächst auf dem Hof Schulte-Tendrich. Der Landwirt stellte seine historische Tenne zur Verfügung, und die Vereinsmitglieder krempelten die Ärmel hoch. Anderthalb Jahre gingen ins Land, und 1995 konnte die frisch renovierte Tenne dann eingeweiht werden.
„Da war schon immer etwas los“, erinnert sich Hans Fromm, der zu den Gründungsmitgliedern des Vereins gehört. „Viele Veranstaltungen fanden damals auf dem Hof statt, und wir konnten uns über viele Besucher freuen“, sagt der Hervester. Hier wurden Feste gefeiert, Vorträge gehalten, man traf sich zu Radausflügen oder anderen Vereinsveranstaltungen.
Etwas Eigenes sollte her
Die Tenne war ein guter Anfang, aber schnell reifte im Heimatverein die Erkenntnis, dass man langfristig gerne ein eigenes Gebäude hätte. Eines, das dem Verein gehört. Hans Fromm, der nach dem Tod von Werner Funk 1999 die Nachfolge als Erster Vorsitzender angetreten hatte, blickt zurück: „Das war aber nicht so einfach. Wir haben uns verschiedene Grundstücke angeschaut, aber nicht das Richtige gefunden.“ Obwohl der junge Heimatverein inzwischen zum zahlenmäßig größten Verein in Hervest aufgestiegen war, war die Zukunft in einem eigenen Vereinsheim alles andere als absehbar.

Unerwartete, aber höchst willkommene Hilfe kam dann von Peter Meuser. Der letzte Inhaber der Bäckerei Meuser an der Glück-Auf-Straße hatte seinen Betrieb eingestellt und suchte nun nach einer Nachnutzung für seine ehemalige Bäckerei. „Wir wurden uns dann ganz schnell einig“, freut sich Hans Fromm. „Wir renovieren das Haus und richten der Familie Meuser eine Wohnung im Obergeschoss ein. Dort hat sie dann Wohnrecht auf Lebenszeit, und wir haben ein eigenes Heimathaus.“

Hochmotiviert ging man an den Umbau
Die Baugenehmigung wurde zügig erteilt, und hochmotiviert gingen die Vereinsfreunde anno 2020 ans Werk. Da viele handwerklich geschickte Menschen im Heimatverein Dorf Hervest aktiv sind, gingen die Bauarbeiten auch rasch voran. Die Küche, die Verkaufs- und Lagerräume verwandelten sich rasch in moderne Räumlichkeiten. „Als wir dann aber an der alten Backstube angekommen waren, wurde das Geld knapp“, erinnert sich Hans Fromm. Rund 120.000 Euro und unzählige Arbeitsstunden waren bis zu diesem Zeitpunkt schon investiert worden, doch nun drohte ein ungewollter Baustopp.

Mit Hilfe der Stadt Dorsten und dem Land NRW wurde aber auch dieses Hindernis aus dem Weg geräumt. „Die Stadt hat einen Förderantrag gestellt, und dieser wurde dann zum Glück auch bewilligt“, so Fromm. Und so griff das NRW-Programm „Heimat. Zukunft Nordrhein-Westfalen“ dem Heimatverein mit 195.900 Euro unter die Arme. Ein Glücksfall für das Heimathaus Hervest, das 2021 nach rund einem Jahr Bauzeit nun endlich fertiggestellt wurde.
Viele historische Hingucker
Drinnen wie draußen finden sich nun zahlreiche Hingucker im Heimathaus Hervest. Eine alte Mühle, die vor dem Abwracken gerettet wurde, historische Stubenmöbel oder bald auch das Archiv des Heimatvereins. Draußen erkennen die Hervester ein Relikt aus dem Marienviertel wieder: Das Glockenspiel des inzwischen abgerissenen Haus Berken prangt nun stolz und schön an der Fassade.

Heimathaus Hervest ist voller Leben
An ruhigen Tagen ist es derzeit etwas kühl im Heimathaus, schließlich muss auch der Heimatverein Dorf Hervest Energiekosten sparen. Aber das tut dem bunten Leben an den meisten Tagen keinen Abbruch, denn das Heimathaus Hervest hat sich in der kurzen Zeit zu einem wichtigen Anlaufpunkt für viele Hervester gemausert. Hier treffen sich auch auswärtige Vereine gerne, etwa die Demenzgruppe der Caritas, die Feuerwehr oder die Schützen. „Uns ist von Anfang an wichtig gewesen, dass die Menschen im Stadtteil dieses Haus nutzen können“, betont Hans Fromm.

Und so wird hier gemeinsam gekocht und gegessen, geklönt und gefeiert. An jedem ersten Montag im Monat lädt der Heimatverein zum Klönabend von 19 bis 22 Uhr, bei dem auch Nichtmitglieder herzlich willkommen sind. Dienstags trifft sich die Frauengruppe, Donnerstags die Radfahrer, und natürlich wird von hier aus auch die ehrenamtliche Arbeit im Storchenland am Hervester Bruch koordiniert. Selbst einen eigenen kleinen Weihnachtsmarkt konnte der Verein in dem Haus schon verwirklichen.
Der Heimatverein Dorf Hervest hat noch viel vor – und nun auch endlich den passenden Ort dafür.
Kontakt
Der Heimatverein Dorf Hervest ist an der Glück-Auf-Straße 376 (nahe Einhaus) zu finden. Er hat auch eine eigene Homepage und eine Facebook-Seite.
Telefonischer Kontakt unter 02362 77397




























