Der Naturbursche Klaus Paulokat ist immer noch unterwegs in Dorstens Wäldern

„Der Wald ist mein Jungbrunnen“, meinte Klaus Paulokat vor genau einem Jahr, als Christian Sklenak und ich ihn durch Dorstens Wälder begleiteten. Nun habe ich wieder telefonischen Kontakt zu ihm und seiner Frau Ulla aufgenommen und ich muss sagen, er klingt immer noch voller Elan und Tatendrang. Das Motto des 77-Jährigen wirkt also.

Das Paar zählt aufgrund seines Alters zur Risikogruppe und daher halten sich die beiden strikt an die Auflagen. Ihre Familie kauft für sie ein, sie selbst verzichten im Moment auf Besuch und sogar das Geschenk zum Geburtstag ihres Sohnes übergab Mutter Ulla am Zaun.

Menschen gehen freundlich miteinader um untereinader

„In meinem Familien- und Bekanntenkreis verhalten sich wirklich alle vorbildlich, da bei uns alle den Sinn hinter dem Kontaktverbot verstehen“, erzählt Klaus. Auch in Zeiten des Coronavirus ist er fast jeden Tag unterwegs. Gerade jetzt! Denn frische Luft und Bewegung tun ihm und seiner Frau gut. Dass die Menschen jetzt miteinander freundlicher umgehen, das kann auch Klaus bestätigen. „Obwohl das unter Wanderern ja schon immer so war“, setzt er hinzu.

„Wenn du mit Klaus durch die Dorstener Wälder streifst, brauchst du Zeit, viel Zeit und solltest gut zu Fuß sein“, warnte mich damals eine Bekannte vor. Sie hatte recht! Aber glücklicherweise schenkte mir mein Wanderguide Paulokat damals gleich zu Beginn einen von ihm selbst geschnitzten Wanderstab, den ich bereits eine halbe Stunde später nicht mehr missen wollte. Ich halte ihn in Ehren und habe ihn seitdem bereits zweimal bei längeren Spaziergängen durch die Natur benutzt.

Tägliche Streifzüge

Der 77-Jährige hat bei seinen täglichen Streifzügen immer noch ein Auge auf die Natur generell, insbesondere aber auf Dorstens Pflanzen- und Tierwelt in den Wäldern rund um Deuten und Freudenberg, wobei sein Augenmerk mehr auf Tieren liegt. Er befreit die, die sich in einem Zaun verfangen haben oder dreht auf dem Rücken liegende Käfer um. Für ihn sind alle Lebewesen gleich viel wert.

Von klein auf lernte der Naturbursche die Natur kennen. „Wir hatten ja nicht viel, also lernte ich das, was die Natur hergab, zu schätzen und zu schützen“, so der Holsterhausener. Noch heute sammelt er auf seinen täglichen Waldgängen Wildkräuter wie Giersch, Knoblauchrauke, Brennnesseln und Löwenzahn für einen schmackhaften Salat, Steinpilze und Rotkappen sowie Heidel- und Preiselbeeren, Holunder und die kleinen aromatischen Walderdbeeren für einen hochprozentigen Aufgesetzten. Mit leeren Händen kommt er nie zurück, Klaus kennt die Stellen, an denen die besten Beeren wachsen und jedes Jahr die schönsten Pilze zu finden sind.

Hexenbaum

Seine täglichen Touren durch Deutens Wälder, das Deutener Moor, die Emmelkamp und den Erler Dreh dauern etwa drei Stunden. Und auch unsere Tour vor einem Jahr bewegte sich in diesem zeitlichen Rahmen. Ich erinnere mich, wie Klaus hinter fast jeder Wegbiegung stehenblieb und etwas zu erzählen wusste: über die „alte Dame“, den mächtigen frei stehenden Baum auf der Anhöhe, dem magische Kräfte zugeschrieben werden, über den Hexenbaum, an dem im Mittelalter Frauen als Hexen verurteilt wurden, über die Sanddünen mit zahlreichen versteinerten Herzmuscheln, Relikten aus früheren Zeiten, als Holsterhausen noch am Nordseestrand lag.

„Leider liegen nun frisch gefällte Bäume quer über dem Weg zum Mutterbaum, der den Weg dorthin für die Wanderer sehr erschwert“, bedauert Klaus. Wie er erfahren hat, sollen die Hindernisse auf den Wegen die Mountainbiker davon abhalten, durch die Natur zu fahren. „Die Radfahrer haben sich längst einen neuen Weg gesucht, aber Wanderer haben leider das Nachsehen. Auch das beliebte Klotschentor an der B58, das uns ermöglichte, vom Waldstück auf der einen Seite der Bundesstraße ins andere zu gelangen, wurde entfernt.

Akzeptanz und Achtung vor einander, dann kommen wir gut durch diese Zeit

Speerspitzen oder kleine Äxte aus der Steinzeit

Das bedeutet einen Riesenumweg für alle Wanderer. Dieser Zaun versperrt nun auch den alten Wanderweg am Graben entlang der Straße“, fährt er betrübt fort. Genau da, wo ein paar Hundert Meter weiter bearbeitete Feuersteine, gut erhaltene Speerspitzen oder kleine Äxte aus der Steinzeit von Wildschweinen ans Tageslicht gebuddelt worden, trennen nun ein Zaun und ein riesiger Umweg den Weg zu Dorstens Geschichte, die im wahrsten Sinne des Wortes zum Greifen nah liegt.

Klaus Paulokat teilte bisher sein Wissen gerne mit anderen Menschen. Jeder, der Lust dazu hatte, konnte ihn daher gerne auf seinen Touren ansprechen und ihn begleiten. „Das geht nun im Moment leider nicht, aber wenn wir alle das ‚Gesetz der Zweisamkeit‘ beachten, nämlich Akzeptanz und Achtung vor einander, dann kommen wir gut durch diese Zeit“, blickt der äußerst freundliche Naturbursche positiv in die Zukunft.

Text: Martina Jansen
Fotos: Christian Sklenak

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