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Wie das gemeinsame Erfinden von Geschichten die Bindung stärkt

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Die Dorstener Schriftstellerin Dörthe Huth schreibt Bücher rund um die Lebensfreude, Geschichten, Gedichte und mehr. In dieser Kolumne widmet sie sich dem Thema: „Wertvolle Erzählzeit: Wie das gemeinsame Erfinden von Fantasiegeschichten die Bindung stärkt“.

Kinder lieben Geschichten. Sie genießen es, wenn ihnen Eltern, Großeltern oder andere Bezugspersonen in entspannter Atmosphäre ein Buch vorlesen oder ein Märchen erzählen. Besonders interessant ist es, gemeinsam mit dem Kind eine eigene Fantasiegeschichte zu erfinden. Wenn Kinderaugen beim Abtauchen in eine solche Fantasiewelt zu leuchten beginnen, ist dies für mich immer wieder ein ganz besonderes Erlebnis. Eine kooperative Erzählzeit schafft gute Erinnerungen, an die alle Beteiligten später gern zurückdenken.

Vertiefung der Bindung durch eine gemeinsame Erzählzeit

Das gemeinsame Erfinden von Fantasiegeschichten ist bei Grundschulkindern beliebt und funktioniert auch schon mit manch einem Kindergartenkind. Ältere Kinder haben häufig besondere Freude daran, Geschichten umzuwandeln, sich ein neues Ende auszudenken oder sogar eine Geschichte nach eigenen Vorstellungen zu erfinden.

Eine solch kreative Erzählzeit zwischen Kind und Bezugsperson bietet viele Vorteile. Sie fördert die Kooperation, vertieft die Bindung und sorgt für angenehme Erinnerungen. Gemeinsam eine Fantasiegeschichte zu erfinden, bedeutet einander zuzuhören, miteinander kreativ zu werden und sich abzustimmen. Die Geschichten können von abenteuerlichen Expeditionen in ferne Galaxien über Feengeschichten bis hin zu Gruselstorys reichen. Dabei erfahren beide Seiten viel voneinander und können mehr Verständnis füreinander entwickeln. Voraussetzung dafür ist eine angenehme Atmosphäre, Vertrauen und Wertschätzung sowie ein offener Austausch von Ideen. Der Rest ist einfach Übung.

Kinder erschaffen ihre eigenen Fantasiewelten. Eltern können sie dabei unterstützen. Grafik: pixabay

Geschichten unterstützen die Selbstwirksamkeit von Kindern

Geschichten beinhalten Herausforderungen. Im Verlauf der Handlung beobachten Kinder, wie die unterschiedlichen Charaktere mit Problemen umgehen und welche Lösungen sie nutzen. Durch das wechselseitige Zuhören und Erzählen erhalten die Beteiligten einen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt des jeweils anderen. Dabei lernen sie, die Welt aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Zudem lernen sie neue Wörter, verbessern ihr Wissen über die Welt und entwickeln ihre Vorstellungskraft weiter.

Indem ein Kind aktiv Ideen einbringt, die Figuren und die Handlung mitbestimmt, nimmt es wahr, dass es das Geschehen beeinflussen kann. Positives Feedback und die wohlwollende Bestätigung stärken das Kind und dessen Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten. Es fühlt sich gesehen und wertgeschätzt, was wiederum zu einem positiven Selbstwert führt.

All dies hilft dabei, soziale Kompetenzen auszubauen, mit Emotionen umzugehen und eigene Strategien zu entwickeln.

Praktische Tipps für das gemeinsame Erfinden von Geschichten

Die klare Strukturierung und der Aufbau der Geschichte mit einem Anfang, einer Mitte und einem guten Ende liegen in der Verantwortung des Erwachsenen. Einigen Sie sich auf ein altersgerechtes Thema, einen kleinen Helden oder eine kleine Heldin und berücksichtigen Sie die Interessen Ihres Kindes. Themen, die für Kinder interessant sein können, sind beispielsweise Mut, Angst, Freundschaft, Ehrlichkeit oder Geheimnisse.

Jüngere Kinder bis etwa vier Jahren mögen einfache Geschichten mit Wiederholungen, ältere Kinder komplexere Geschichten und spannende Wendungen. In jedem Fall sollte sich der Erwachsene am Interesse des Kindes orientieren und die Geschichten einen guten Ausgang nehmen lassen.

Lassen Sie das Kind einsteigen, wann immer es möchte. Anfangs kann es vielleicht nur mal eine Frage stellen, später auch mal eine Idee eingeben oder eine kleine Passage selbst erzählen. Im Verlauf sollte es immer wieder ermutigt werden, selbst etwas zur Geschichte beizutragen. Dazu können Fragen wie die folgenden gestellt werden: Worum soll es in der heutigen Geschichte gehen? Wie sieht denn der Junge / das Mädchen in der Geschichte aus? Wie fühlt sich das kleine Monster gerade? Was macht die Prinzessin als nächstes? Je wohlwollender die Beiträge aufgenommen und in die Geschichte eingewoben werden, umso mehr Sicherheit gewinnt das Kind beim gemeinsamen Geschichtenerfinden. Mit etwas Übung kann auf diese Weise eine wunderbar funktionierende Teamarbeit entstehen, die bis in den Alltag hineinwirkt.

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