Der im Abriss befindliche Wulfener Markt wird die Anwohner wohl noch eine Weile länger beschäftigen, als es ursprünglich geplant war. Für den vollständigen Abriss und den Abtransport des Bauschutts wird derzeit an einer Lösung gearbeitet.
Bereits Anfang Juli hatte Dagmar Stobbe das Gespräch mit den Wulfenern gesucht. Die erfahrene Ingenieurin ist beim Planungs- und Umweltamt tätig und betreut den Abbruch für die Entwicklungsgesellschaft Wulfen. Sie erklärte, warum die Wulfener immer noch auf einen Schuttberg schauen müssen. „Natürlich, toll sieht das nicht aus“, stimmte sie den Anwohnern bei der Wulfen-Konferenz zu. Sie könne verstehen, dass sich viele Wulfener fragen, warum es anscheinend nicht weitergeht am Wulfener Markt.
Noch vor einem Jahr war Dagmar Stobbe deutlich optimistischer gewesen. Die Arbeiten zur Beseitigung der Ruine aus den späten 1970er und frühen 1980er Jahren gingen im Juli 2023 gut voran. Stück für Stück fraßen sich die Bagger durch die alte Ladenzeile, und ein Ende schien absehbar. “Die groben Abbrucharbeiten werden Ende September abgeschlossen sein”, hatte die Ingenieurin damals gehofft. Wenn alles glatt gegangen wäre, hätte man bis zum Jahreswechsel 2023 / 2024 eine geräumte Fläche schaffen können.
„Viel hilft viel“ vor 45 Jahren sorgt heute für Chaos
Doch die heutigen Baumannschaften hatten die Rechnung ohne ihre Vorgänger vor 45 Jahren gemacht. Offenbar nach dem Motto „Viel hilft viel“ waren die Konstrukteure an vielen Stellen massiv von den originalen Bauplänen abgewichen, ohne diese Änderungen zu vermerken. Das mussten die Abbruchexperten bereits im vergangenen Jahr feststellen, als sich etwa der Estrich als sehr viel dicker herausstellte als in den Plänen verzeichnet war. Auch die eigentliche Fundamentplatte hatten die damaligen Konstrukteure um ein vielfaches massiver gegossen, als sie hätte sein sollen.
Solche Abweichungen sind keine Kleinigkeiten, sondern ein riesiges Ärgernis für die Nachwelt, wenn sie ein solches Gebäude abbrechen will und mit falschen Plänen arbeiten muss. Was im Fall von zu dicken Bodenplatten oder Estrich schon wegen des erhöhten Arbeitsaufwands Zeit und Geld frisst, kann an anderer Stelle sogar lebensgefährlich sein.
Damalige Schluderei sorgt beim Abbruch für Lebensgefahr
So stellte sich etwa heraus, dass die jetzt noch stehenden Gebäudereste anders als im offiziellen Plan untereinander verschränkt und mit Bauteilen miteinander verbunden waren. Das konnte man aber erst erkennen, als die Bagger schon einen Großteil der Bausubstanz weggenommen hatten. Unter dem Mauerwerk kamen auf einmal Verbindungen zum Vorschein, die nirgendwo vermerkt waren. „Das Ergebnis ist eine sehr fragile Geschichte“, erklärt Dagmar Stobbe. „Ein Betreten der Gebäude ist jetzt nicht mehr möglich, weil es viel zu gefährlich ist“. Am Ende bleibt eine Ruine, in die keine Entsorgungstrupps mehr hineingehen können, die aber auch von den Baggermannschaften nicht ohne Eigengefährdung umgelegt werden kann.

Schuttbeseitigung viel aufwändiger als erwartet
Auch für die heutige Entsorgung stellen nachträgliche Änderungen vor 45 Jahren ein massives Problem dar. So muss offenbar die damalige Baufirma zu der Auffassung gekommen sein, Edelstahlnetze in den vielen Betonelementen zu verbauen. „Wir haben enorm viel Edelstahl im Gebäude gefunden, von dem wir vorher nichts gewusst haben“, so Dagmar Stobbe. „Dieser kann nicht wie sonst magnetisch aus dem Bauschutt herausgetrennt werden.“ Die Folge: Viel mehr Zeit und Aufwand sind nötig, um den Schutt sachgerecht zu trennen und zu entsorgen. Das treibt auch die Kosten in die Höhe.
Derzeit arbeite man an einer Lösung mit den Fachfirmen. Auf die Frage, wann genau denn der Schutt endlich weg sein würde, konnte Dagmar Stobbe aber nur eine ebenso ehrliche wie ernüchternde Antwort geben: Man könne es schlicht nicht sagen. Die Wulfener werden wohl noch eine Weile mit dem unschönen Anblick leben müssen.




























