Ein neues Heim für bis zu 50.000 Anwohner sollte es werden, aber die Neue Stadt Wulfen bliebt weit hinter den Erwartungen zurück. Als man in den 70er Jahren den Wulfener Markt plante, rechnete man schon nur noch mit der Hälfte. Wie man später sehen sollte, war auch das viel zu groß gedacht.
Für die Umsetzung holte man sich einen jungen Architekten aus Berlin, der sich mit einigen bemerkenswerten Projekten bereits einen guten Namen gemacht hatte. Gerade einmal Anfang 40, hatte Josef Paul Kleihus (1933-2004) schon den Neubau für die Westberliner Stadtreinigung umgesetzt und wurde in Fachkreisen als hoffnungsvoller Vertreter der neuen Generation gelobt. Kleihus war anders als andere zeitgenössische Architekten der Meinung, dass die historische Architektur viele gute Ideen hervorgebracht hatte – man müsste sie nur in moderner Form umsetzen.
Daher war es kein Zufall, dass sich Kleihus für den Wulfener Markt die großen Markthallen des 19. Jahrhunderts zum Vorbild genommen hatte. Was in Paris, London oder Dublin funktionierte, sollte nun auch in Wulfen entstehen.
1975 setzte sich Josef Kleihus ans Zeichenbrett und schuf zusammen mit Münchener Kollegen ein Ensemble mit einer hohen Ladenpassage unter einem Himmel aus Glas und Stahl. Am 10. Mai 1979 feierte man zusammen mit einem Staatssekretär aus dem Bauministerium den offiziellen ersten Spatenstich.
Staunen bei der Eröffnung
Bei der Eröffnung 1982 staunten die Besucher über die neue Passage, die Alt- und Neu-Wulfen miteinander verbinden sollte. Allerdings bekam das schöne Bild auch hier schon die ersten, noch sehr kleinen Risse. Das Warenhaus als Publikumsmagnet, auf das die Passage hinlaufen sollte, gab es nicht. So fehlte ein wichtiger Anker für die Läden – schließlich sollten die Menschen auf dem Weg zum Supermarkt hier Gelegenheitskäufe machen und damit für Laufkundschaft sorgen. Doch zunächst lief es gut an – viele kleinere Geschäfte siedelten sich im Wulfener Markt an.

Die Ernüchterung kam rasch
Doch schnell folgte die Ernüchterung. In der offenen Halle zog es wie Hechtsuppe, und besonders in den kühlen Jahreszeiten wurde es schnell ungemütlich. Der Grundstückspreis für die über der Ladenpassage eingerichteten Wohnungen stürzte ab, und soziale Spannungen mit den neuen Mietern nahmen zu. Müll und Kälte minderten die Aufenthaltsqualität, und das versprochene Warenhaus wurde nicht zuletzt von der Stadt Dorsten immer wieder behindert, die wenig Interesse an einer Konkurrenz zum gleichzeitig eröffneten Lippetorcenter hatte. Erst 1984 folgte die Eröffnung eines Supermarktes in einem seitlichen Flügel.
Der Niedergang im Wulfener Markt
Doch das Konzept ging nicht auf. Nach und nach verschwanden die bekannten Namen aus dem Wulfener Markt. Rewe, Schlecker, Vedis, die Post, toom, das Reisebüro, die Videothek und auch schließlich das beliebte Eiscafé schlossen. Die Leerstände wurden immer mehr. Neben der Passage entstand mit dem Prisma Einkaufspark ein neues Nahversorgungszentrum, das baulich komplett von der Passage abgetrennt ist. Ende der 2010er Jahre war der Leerstand komplett. Anfang 2023 begann der Abriss.
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