Ein besonderes Wochenende im Zeichen der Erinnerung. Vor einigen Tagen traf sich die Familie von der Schulenburg in ihrer mecklenburgischen Heimat. Sie ehrte Tisa von der Schulenburg und ihren Bruder Fritz-Dietlof, der am Widerstand des 20. Juli 1944 beteiligt war.
Seit über zwanzig Jahren pflegen der Förderverein Denkstätte Teehaus Trebbow und die Tisa von der Schulenburg-Stiftung Dorsten enge Kontakte. Vorsitzender Lambert Lütkenhorst und sein Team halten die Erinnerung an die Künstlerin und Ordensfrau lebendig.
Erinnerung an Mut und Menschlichkeit
Der Förderverein richtete eine zweitägige Gedenkveranstaltung aus. Ehrengäste waren Nachfahren von Fritz-Dietlof aus Berlin, England und Irland. Unter ihnen: Angela Bohrer, Adelheid, Gräfin von Gowrie, Elisabeth Ruge, Caroline von Steinau-Steinrück, sowie Alexander und Andy Bielenberg.
Rund hundert Gäste kamen zur Eröffnung im Teehaus in Klein Trebbow. Nach einer Begrüßung durch Klaus-Jürgen Ramisch und einem Grußwort von Bürgermeisterin Stefanie Kirsch wurde ein Film von Jürgen Moers gezeigt. Darin würdigte Lambert Lütkenhorst das Leben und Wirken Tisas.
Besonders bewegend sprach Jens-Peter Martens, der Tisa 1986 kennengelernt hatte. Er erzählte, wie herzlich und menschlich sie war. Dr. Edelgard Moers stellte dabei das neue Buch „Begegnungen mit Tisa von der Schulenburg“ vor. Dr. Martin Buntrock zeigte seinen Film „Klangbilder – Bilderklänge“, der Tisas Kunst mit Musik verbindet.

Schüler als Brückenbauer der Erinnerung
Die Tisa von der Schulenburg-Schule in Dorf Mecklenburg beteiligte sich aktiv. Schülerinnen und Schüler präsentierten eigene Projekte zum Thema Verfolgung und Widerstand. Besonders eindrucksvoll war ihre Podcast-Reihe mit über siebzig Folgen. Die Aufnahmen sind auf YouTube und Spotify zu hören.
Die Jugendlichen berichteten, dass ihnen die Beschäftigung mit Tisa und ihrem Bruder viel bedeutet habe. „Geschichte wird hier vor Ort lebendig“, sagte eine Schülerin. Ihre Arbeiten wurden bereits mehrfach ausgezeichnet.
Musikalisch begleiteten die Schülerinnen und Schüler den Abend mit Liedern zu Ehren Tisas. Danach blieb Zeit für Gespräche bei Sekt, Wein und kleinen Häppchen.

Gedenktafel für einen Mutigen
Am zweiten Tag lud der Förderverein dann die Gäste ins Schloss Tressow, den ehemaligen Familiensitz der Schulenburgs, ein. Dort präsentierte Dr. Edelgard Moers das neue Buch „Begegnungen mit Tisa von der Schulenburg“ und Dr. Martin Buntrock zeigte seinen Film „Klangbilder – Bilderklänge“, der das Schaffen Tisas künstlerisch interpretiert.
Der emotionale Höhepunkt folgte dabei am Nachmittag in Klein Trebbow: Die feierliche Einweihung einer Gedenktafel, die Angela Bohrer und Elisabeth Ruge enthüllten. Es handelt sich um eine originalgetreue Kopie jener Holztafel, die Tisa 1944 in Erinnerung an ihren von den Nazis ermordeten Bruder geschnitzt hatte. Darauf steht sein Wahlspruch:
„Ich hab’s gewagt mit Sinnen und trag des doch kein Reu.“
Das Original war im Winter 1944 von der SS zerstört worden. Nun erinnert die neue Tafel wieder im Park des Teehauses an Fritz-Dietlof.
Bei Kaffee, Kuchen und anregenden Gesprächen klang dann das Wochenende aus. Die Gäste lobten das Engagement des Fördervereins. Er bewahre nicht nur Geschichte, sondern begeistere auch die Jugend für Verantwortung und Zivilcourage.
Tisa von der Schulenburg – Künstlerin, Nonne, Widerständige
Geboren 1903 als Elisabeth Karoline Mary Margarete Veronika Gräfin von der Schulenburg in Tressow, fand sie nach einem bewegten Leben im Ruhrgebiet ihre neue Heimat. Unter dem Künstlernamen Tisa von der Schulenburg schuf sie zahlreiche plastische Werke, vor allem für Kirchen und soziale Einrichtungen.

In Dorsten, wo sie ab 1948 im Ursulinenkloster lebte und als Schwester Paula wirkte, ist ihr Name bis heute präsent. 1962 schenkte sie der Stadt ihren berühmten Tisa-Brunnen, der 2020 im Zuge des Altstadtumbaus abgebaut und dank bürgerschaftlichen Engagements 2022 originalgetreu wiedererrichtet wurde.
Tisa von der Schulenburg starb 2001 – doch ihr Werk und ihre Haltung leben weiter: in ihren Skulpturen, im Tisa-Archiv auf Fürst Leopold und in den Herzen der Menschen, die sie kannte oder durch ihre Kunst berührt wurden.




























