Ehrenamt Dorsten 2018 – Das Ehrenamt als Quelle der Kraft – Ludger Cirkel

Ludger Cirkel ist seit 2003 Vorsitzender der Lebenshilfe Dorsten.

Er hat die Überführung des Geschäftsbetriebs des Vereins in eine gemeinnützige GmbH initiiert und begleitet und der Arbeit damit eine sichere Struktur ermöglicht.

Ludger Cirkel war für die KAB und im Rahmen seines kommunalpolitischen Mandates an der Gründung der Dorstener Arbeit gGmbH beteiligt, die aus der Aktion Solidarität entstanden ist. Er war 15 Jahre Vorsitzender des Verwaltungsrates der Dorstener Arbeit, die sich aus der Dorstener Arbeit, die ja ein relativ kleiner Verein war, entwickelt hat.

Ludger Cirkel - Ehrung für das Lebenswerk 2018
Ehrenamts Gala Dorsten 2018-Ausgezeichnet für sein Lebenswerk Ludger Cirkel und Blumen von Bürgermeister Stockhoff für die Ehefrau
Stiftung St. Ursula Dorsten

So war er sehr maßgebend am Aufbau der neugegründeten Stiftung St. Ursula Dorsten beteiligt und hat an dieser Stelle auch mit dem Mitbegründer der Stiftung, Josef Vrenegor, eng zusammengearbeitet. Heute arbeitet er zusammen mit beiden Schulleitern als geschäftsführender Vorstand in der Stiftung St. Ursula Dorsten.

Das Modell, bei dem die Klosterschule in ihrer Führung frei ist und nicht dem Bischof untersteht, ist in dieser Form wohl einmalig in Deutschland.

Ludger Cirkel - Ehrung für das Lebenswerk 2018
Ehrenamt Gala Dorsten 2018-Ausgezeichnet für sein Lebenswerk Ludger Cirkel

Moderator: Sie sind seit 2003 Vorsitzender der Lebenshilfe, haben als Mitglied der KAB die Aktion Solidarität mitbegründet und damit den Vorläufer der Dorstener Arbeit, die Sie 15 Jahre als Vorsitzender im Verwaltungsrat unterstützt haben. Sie haben nach der Stiftungsgründung der Stiftung St. Ursula, als Geschäftsführer, die Stiftung  mit Leben gefüllt, Strukturen geschaffen, die Verwaltung organisiert– und sind nun, zusammen mit den zwei Schulleitern, geschäftsführender Vorstand.

Ich frage jetzt mal nicht „Wie machen Sie das“ – sondern einfach nur „Warum machen Sie das?“

Ludger Cirkel: Ich bin schon sehr früh in die Politik gegangen und habe dadurch in Bereiche Einblick bekommen, die mir als Bürger so nicht offen gestanden hätten. Und ich bin natürlich angesprochen worden und um Hilfe und eben auch um Mithilfe gebeten worden.
Das hat sich dann so entwickelt: Die Lebenshilfe brauchte nach dem Weggang des ehemaligen Stadtdirektor Dr. Zahn, der ja vor mir die Geschäfte der Lebenshilfe geführt hat, einen neuen Vorsitzenden. Dr. Zahn hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, sein Nachfolger zu werden und habe nicht nein sagen wollen: Auf meine Frage, wieviel Arbeit denn wohl auf mich zukäme, meinte Dr. Zahn seinerzeit: „ Es sind ja nur 8 Vorstandssitzungen im Jahr“ – Nun, ein bisschen mehr ist es dann doch geworden – und so bin ich in diesen Bereich herein gerutscht und konnte helfen und auch einiges bewegen.

Moderator: Es gibt eine Art von Anpruchsdenken in unserer Gesellschaft – weite Teile der Bevölkerung auch in unserer Stadt Dorsten sind Konsumenten, keine Macher. Und schon mal gar keine ehrenamtlichen. Sie waren schon sehr früh mit der Aktion Solidarität, sprich Dorstener Arbeit, unterwegs, um etwas Dauerhaftes gegen Arbeitslosigkeit zu unternehmen. Und haben daraus eine Weiterqualifizierungsgesellschaft gemacht, die sich sehen lassen kann.

Ludger Cirkel: Es war seinerzeit offenkundig, dass die staatlichen Arbeitsämter mit der Menge als Menschen, die falsch oder gar nicht qualifiziert waren, einfach überfordert waren. Da mussten wir etwas tun – und haben es getan. Es war seinerzeit wichtig, etwas anzustoßen – Sie sehen ja, dass die Dorstener Arbeit, die daraus erwachsen ist, jetzt nicht mehr ein kleiner Verein ist, sondern selbstständig handelnd und als Qualifizierungsbetrieb anerkannt ist. Das liegt aber auch an der hervorragenden Arbeit des langjährigen Geschäftsführers Herrn Jürgen Erhardt, den ich immer sehr gerne in seiner Tätigkeit unterstützt habe, da er in meiner Wahrnehmung die richtige Mischung aus sozialem Verständnis und betriebswirtschaftlicher Verantwortung lebt.

Moderator: Sie managen jetzt – neben allem anderen – die Stiftung St. Ursula. Die St. Ursula-Schulen, Gymnasium und Realschule in Dorsten, haben über die Jahrhunderte eine Tradition entwickelt, die durch die manchmal durchaus streitbaren und sehr selbständigen Nonnen des Ordens geprägt ist. Welche Rolle spielen Sie jetzt nun als weltlicher Geschäftsführender Vorstand in der neuen Stiftung?

Ludger Cirkel: Zusammen mit den zwei Schulleitern führen wir gemeinsam die Stiftung und damit die St. Ursula Schulen. Und wir sind selbständig, will sagen: Der Weg, den die Stiftung St. Ursula Schulen geht, und der die Entwicklung dieser kirchlichen und privaten Schulen zeichnet, ist durch die Stiftung beeinflusst, schon in ursulinischer  Tradition, aber wir benötigen nicht die Zustimmung des Bischofs. Wir nehmen allerdings gerne seinen Segen, damit die Schulen sich weiterhin positiv entwickeln. Ich bin übrigens sehr stolz auf die Stiftung St. Ursula-Schulen, an deren Inhalten und Zielen Josef Vrenegor ganz maßgeblich mitgewirkt hat. Wir sind die einzigen in Nordrhein-Westfalen, die eine derartig hohe Selbständigkeit haben.

Moderator: Sie haben in Ihrem Leben einiges bewegt. Und das ehrenamtlich, neben dem Berufsleben und auch neben dem Familienleben. Wie schafft man das eigentlich?

Ludger Cirkel: Ich kann ja nur für mich sprechen. Aber die ehrenamtlichen Tätigkeiten haben mich immer auch entspannt und mir Kraft für meinen Hauptberuf gegeben. Ich habe eigentlich immer schon an jedem Tag, auch am Wochenende arbeiten müssen – in der Gastronomie liegt das Hauptgeschäft auf dem Wochenende – die Überstunden habe ich dann quasi an den Wochentagen nachmittags „verrechnet“. Das hat mir Raum geschaffen, mich in meinen ehrenamtlichen Tätigkeiten ganz anderen Themen zu widmen, die mich auch emotional interessieren und fast beinahe entspannend sind für mich.
Meine Frau hat mir natürlich den Rücken frei gehalten und meine Kinder hatten offenbar auch viel Verständnis für ihren Vater, der nicht immer zur Verfügung stand, weil er für andere unterwegs war.

Persönliche Bemerkung von Ludger Cirkel

Lassen Sie mich an dieser Stelle noch eine Bemerkung machen: Ehrenamtliches Arbeiten klingt immer so nach persönlicher Aufopferung und Last. Das mag in manchen Bereichen wohl sein, in erster Linie sehe ich – zu mindestens für mich – diesen ehrenamtlichen Einsatz als etwas an, dass mich aus dem Stress des Alltäglichen herausholt. Klar, sich mit Wegen aus der Arbeitslosigkeit heraus zu befassen oder über die Weiterführung traditionsgebundener Schulen und über deren Zukunftsfähigkeit zu reden, ist anstrengend und erfordert auch, sich in neue und fremde Materie einzudenken. Aber es ist im Übrigen auch spannend und erweitert den persönlichen Horizont und relativiert vieles.

Ich glaube, das ist vielen Menschen gar nicht klar: Helfen, mitdenken und planen und handeln in einem Ehrenamt ist eine Möglichkeit, die Gesellschaft, in der wir leben, aktiv mitzugestalten. Ich würde mich freuen, wenn noch mehr Menschen als bisher daran Interesse fänden. Ich kann versichern, es gibt in der Summe viel Kraft und Lebensfreude.

siehe auch: Film Ehrenamt 2018

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