Dorsten. Häusliche Gewalt an Frauen bleibt ein Thema. Unabhängig von Corona leiden viele Frauen still hinter verschlossenen Türen. Statt Geborgenheit erfahren sie Gewalt.
Oft durch den eigenen Partner. Statt Liebe zu erfahren, begegnet ihnen Leid. Im eigenen Zuhause. Mitten unter uns. Auch in Dorsten. Oft schweigen betroffene Frauen solange, bis sie keinen Ausweg mehr sehen und mit ihren Kindern Schutz und Zuflucht im Frauenhaus suchen.
Seit 37 Jahren ist das Frauenhaus in Dorsten eine Anlaufstelle für Frauen und Kinder, die vor der Gefahr flüchten. Allein in diesem Jahr suchten 35 Frauen und 50 Kinder das Frauenhaus in Dorsten auf. Aktuell leben noch 14 Personen im Haus.
Laut Landesarbeitsgemeinschaft Autonomer Frauenhäuser waren viele Frauen durch Corona verunsichert, ein Frauenhaus aufzusuchen. Aus Angst vor einer Ansteckung zögerten sie in diesem Krisenjahr 2020 so lange, bis die Lage zuhause schon eskalierte.
Für den Verein Frauen helfen Frauen in Dorsten war das Jahr in mehrfacher Hinsicht eine Herausforderung. Einerseits mussten sie die Sicherheits- und Hygienevorschriften erfüllen. Andererseits machten sie es sich zur Aufgabe, den Frauen die Ängste durch die Pandemie nehmen: „Wir hatten zwar mehrere Verdachtsfälle auf Corona, aber keinen positiv bestätigten Fall“, erläutert Lina Kania, Sozialpädagogin im Dorstener Frauenhaus. Die Mitarbeiter befürchten, dass die Dunkelziffer durch die Pandemie angestiegen ist: „Unsere Frauenhäuser in NRW waren viele Monate lang nahezu täglich belegt“, erklärt Kania weiter. So hatten die fünf Mitarbeiterinnen im Dorstener Frauenhaus alle Hände voll zu tun.
Kriminalstatistik: Gewalt nimmt zu
Dass die Anzahl der Opfer partnerschaftlicher Gewaltdelikte weiter ansteigt, zeigt auch ein Blick auf die Kriminalstatistische Auswertung 2019 durch das Bundeskriminalamt, kurz BKA. „Gegenüber 2018 ist die Anzahl der Opfer partnerschaftlicher Gewaltdelikte 2019 erneut, wenn auch nur um 0,74 %, angestiegen (2019: 141.792, 2018: 140.755), was die in den Vorjahren festgestellte Entwicklung bestätigt und die zunehmende Bedeutung des Gesamtphänomens verdeutlicht.“, heißt es in der Auswertung. So bleibt die Situation angespannt.
Das hat auch das Land NRW erkannt. Schon im Jahr 2019 kündigte Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung an: „Bis 2022 wollen wir die Anzahl von Schutzplätzen für Frauen in Frauenhäusern um mindestens 50 erhöhen.“ Weiter sagte sie: „Die Frauenhäuser sind eine der tragenden Säulen des Opferschutzes, die Mitarbeitenden leisten vor Ort eine herausragende Arbeit für von Gewalt betroffene Mädchen und Frauen. Sie können sich der Unterstützung der Landesregierung gewiss sein.“
Spenden sind eine Teilfinanzierung
Jetzt kam die Krise. Und in Dorsten merkten die Helferinnen zu Beginn des Jahres: Die Spendenbereitschaft war nicht sehr hoch. Aber: „Die Spenden tragen als Teilfinanzierung dazu bei, dass das Frauenhaus in Dorsten weiterhin existiert und bestehen bleibt“, erklärt Mitarbeiterin Nadine Kötters.
In der Vergangenheit nahm der Verein auch durch den Second-Hand Laden „FrauenSache“ Spendengelder ein. Mit dem Lockdown ist alles dicht. Zwölf Helferinnen sind im Laden „FrauenSache“ normalerweise im Einsatz: „Hier werden die Spenden immer sehr gut angenommen und durch Corona haben wir sehr viele Kleiderspenden erhalten“, meint Nadine Kötters vom Verein Frauen helfen Frauen. Doch da der Verkauf eingeschlafen ist, sitzt der Second-Hand Laden jetzt auf den Sachen und wartet, sie wieder verkaufen zu dürfen.
Fürs erste möchten die Mitarbeiterinnen und Helferinnen den Frauen und Kindern ein schönes Fest bereiten. „Die Weihnachtsfeier wird anders aussehen als sonst. Wir tragen alle den Mundschutz und achten sehr auf die Hygienevorschriften“, meint Sozialpädagogin Lina Kania. „Alles fällt kleiner aus und wir halten Abstand.“
Dennoch freuen sich alle auf das Fest. Sie warten die Entwicklungen ab und möchten im kommenden Jahr bei den Dorstener Frauenkulturtagen mitwirken. „Wir alle sind gespannt auf das, was auf uns zukommen wird“, sagt Barbara Klaus-Krämer, Leiterin des Frauenhauses.
Anlaufstelle für Frauen, die akut von Gewalt betroffen sind:
- Der Notruf vom Frauen- und Kinderschutzhaus Dorsten ist rund um die Uhr erreichbar unter der Telefonnummer 02362-41055.
- Freie Plätze in Frauenhäusern nach dem Ampelprinzip: Grün steht für freie Plätze, gelb für Mutter-Kind-Plätze und rot ist belegt. „Viele Wochen lang war die ganze Karte rot“, erinnert sich Barbara Klaus-Krämer: https://www.frauen-info-netz.de
- Auch das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben oder noch erleben. Falls jemand kein Deutsch spricht, gibt es hier Dolmetscher, die vermitteln. Rund um die Uhr erreichbar unter 08000 116 016. Weitere Infos unter https://www.hilfetelefon.de
https://www.frauenhauskoordinierung.de
https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/aktuelles.html
Spendenkonto
Frauen helfen Frauen e.V. Dorsten
Sparkasse Vest Recklinghausen
IBAN: DE 85 4265 0150 1015 0146 71
BIC: WELADED1REK
Das könnte Sie auch interessieren:




























