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Bürgerbahnhof Dorsten: Eine „Visitenkarte“ probt den Betrieb

Veröffentlicht am

Die große Eröffnung des Bürgerbahnhofs rückt immer näher. Schon jetzt herrscht reges Treiben in dem komplett sanierten Gemäuer: Gastronomie, Verwaltung und Lehrbetrieb laufen sich bereits warm. Die ersten Eindrücke sind schon sehr vielversprechend.

Das Staunen war groß, als die Pressevertreter am vergangenen Mittwoch zum ersten Mal den Speisesaal des Bahnhofes betraten. Trotz des trüben Regenwetters draußen gaben die großen Fenster dem Saal eine offene Helligkeit. Zu den Möbeln gehören elegante Bänke aus Eiche, die den Sitzen in der ehemals dritten Klasse – der „Holzklasse“ – nachempfunden sind. Ergänzend dazu säumen Küchenstühle im Frankfurter Stil die Tische, die in den 1950er Jahren fast in jedem Haushalt zu finden waren. Bogenfenster, Pastelltöne und warmes Holz vermitteln einen klassischen Charme.

Historischer Charme und moderne Technik

„Manche Menschen sehen Denkmalschutz nur als lästiges Hindernis oder Kostentreiber“, sagt Holger Lohse, der Technische Beigeordnete der Stadt. „Aber hier trägt er zum gelungenen Erlebnis bei“. Man habe den Bahnhof von Grund auf so renoviert, dass die Technik zwar brandneu sei, aber der ursprüngliche Charakter des Gebäudes erhalten bleiben konnte. Und dass das für ihn gelungen sei, daran lässt Lohnse keinen Zweifel – er ist begeistert vom Ergebnis. „Was ist das schön geworden“, freut er sich. Er vergleicht den Bahnhof sogar mit einer Raupe, die nach einer langen Verpuppungsphase zum wunderschönen Schmetterling wird.

Holger Lohse, Technischer Beigeordneter der Stadt Dorsten. Foto: Borgwardt

Die Schönheit hat natürlich ihren Preis. Zusammen mit dem Vorplatz hat der Umbau zum Bürgerbahnhof rund 7,5 Millionen Euro gekostet. Diese Summe hätte die Stadt selbst nicht stemmen können. „Zum Glück sind 90 Prozent der Kosten durch Fördermittel der EU und des Landes NRW getragen worden“, so Lohse. Der Technische Beigeordnete hat das Projekt von Anfang an begleitet. „In dieser Zeit sammelt man so viele Eindrücke, dass ich sie hier kaum zusammenfassen kann“, erzählt Holger Lohse. „Fest steht aber, dass der Bahnhof eine echte Visitenkarte für Dorsten geworden ist.“

Die Gastronomie

Dass Schönheit allein nicht satt macht, weiß man aber natürlich auch im Bürgerbahnhof. Deswegen gibt es dort nun eine eigene Gastronomie, die von der Dorstener Arbeit betrieben wird. Fachpersonal arbeitet dabei mit Menschen zusammen, die es bisher auf dem Arbeitsmarkt schwer hatten und sich nun im laufenden Betrieb qualifizieren können. Und die Ergebnisse dieser Arbeit kann man direkt auf dem Teller sehen. „Wir feilen noch an der endgültigen Speisekarte“, verrät Thorsten Benninghoff, der die Gastronomie im Bürgerbahnhof leitet. „Unser Schwerpunkt liegt dabei auf regionaler und saisonaler Küche.“

Thorsten Benninghoff leitet die Gastronomie im Bürgerbahnhof. Foto: Borgwardt

Von Montags bis Freitags hat die Küche zwischen 6 Uhr morgens bis 18 Uhr geöffnet. Fünf bis sieben Kochgerichte sollen im täglichen Wechsel auf der Karte stehen. Neben warmen Speisen, Backwaren und Snacks sind auch vegetarische und vegane Gerichte fest eingeplant. „Ab dem 15. Februar ist unsere Tageskarte auch auf unserer Homepage sichtbar“, so Benninghoff. Besonders praktisch: Der Bürgerbahnhof bietet auch warmen Speisen zum Mitnehmen an. „Dafür geben wir gegen Pfand eigene Mehrwegbehälter heraus“, erklärt der Gastronom. Rund 50 Sitzplätze stellt der Bahnhof dabei im Innenraum bereit, und bei gutem Wetter sollen noch 40 Außenplätze dazukommen. „Dann gibt es natürlich auch Eis“, verspricht Thorsten Benninghoff.

Leckere Kostproben geben einen Eindruck von den Möglichkeiten der Gastronomie. Foto: Borgwardt

Fortbildung und Qualifizierung im Bürgerbahnhof

Dass ungelernte Kräfte unter der Anleitung erfahrener Köche und Gastro-Profis wie Thorsten Benninghoff große Fortschritte machen, ist auch der Dorstener Arbeit zu verdanken. „Für uns als Ankermieter war der Bürgerbahnhof ein Glücksfall schlechthin“, davon ist Jürgen Erhardt überzeugt.

Jürgen Erhardt, Geschäftsführer der Dorstener Arbeit. Foto: Borgwardt

Der Geschäftsführer der Dorstener Arbeit erzählt, wie hier 14 Menschen eine neue Chance geboten wurde. Viele kommen aus langer Arbeitslosigkeit, andere hätten zuvor in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen gearbeitet. „Die Fortschritte, die hier gemacht werden, sind wirklich hervorragend“, lobt Erhardt. Der Betrieb laufe so gut, dass man nun eine weitere Fachkraft aus der Gastronomie suche, die bei der Ausbildung unterstützen kann.

Ute Blume, Projektleiterin der Dorstener Arbeit. Foto: Borgwardt

Doch nicht nur zwischen Töpfen und Tellern kann man sich im Bürgerbahnhof weiterbilden. Dafür sorgen die vielen unterschiedlichen Schulungsangebote, die demnächst auch hier stattfinden können. „Einige Kurse sind sogar schon gestartet“, freut sich Ute Blume. Die Projektleiterin der Dorstener Arbeit berichtet von der Freude der Kursteilnehmer, die nun in schönen Räumen Sprachkurse und Qualifizierungsmaßnahmen besuchen können. „Oft sind sie nur enge und veraltete Schulungsräume gewohnt“, so Blume. „Für viele dieser Menschen ist das ein schönes Zeichen, dass man ihre Bemühungen wertschätzt.“

Blick in einen der modernen Multifunktionsräume. Foto: Borgwardt

Doch die praktischen Mehrzweck- und Schulungsräume im Erdgeschoss und der ersten Etage sind nicht nur für die Dorstener Arbeit reserviert. „Alle diese Räume stehen für bürgerschaftliches Engagement offen und können gebucht werden“, stellt Blume klar. Vereinsversammlungen, Konferenzen, Vorträge, Ausstellungen oder Kammerkonzerte – all das soll problemlos möglich sein. Dabei kann man auch die Bahnhofs-Gastronomie für Getränke oder Speisen buchen. „Auch private Feiern sind hier möglich“, verspricht Blume und verrät dabei, dass der Bürgerbahnhof schon bald ein offizieller Trauort in Dorsten sein wird. „Bis zu 50 Leute bekommen wir hier gut unter“, sagt Blume. Nur ein Rockkonzert solle man hier vielleicht besser nicht planen, ergänzt sie scherzhaft.

Im Dachgeschoss arbeiten Pädagogen und Verwaltung der Dorstener Arbeit in hellen Büros. Foto: Borgwardt

Bahnhofsfamilie setzt auf bürgerschaftliches Engagement

Ein Rockkonzert planen auch Heidi Göbel und Joachim Thiehoff nicht im Bahnhof. Dafür setzen der Leiter der Abteilung Ehrenamt und die auch im Seniorenbeirat engagierte Bürgerin darauf, dass auch andere Dorstener ihre Projekte hier verwirklichen können. „Es soll ein offener Ort für alle 76.000 Dorstenerinnen und Dorstener sein“, sagt Thiehoff.

Bürgerbahnhof Heidi Göbel
Heidi Göbel kümmert sich um die Bahnhofsfamilie. Foto: Borgwardt

Heidi Göbel ergänzt: „Wir laden alle Bürger ein, sich mit ihren Ideen hier einzubringen.“ Dabei gehe es nicht darum, spezielle Aufgaben zu übernehmen. Vielmehr biete der Bürgerbahnhof den Menschen den Platz und die Räume für ihre Projekte. Ob Kunst, soziales Engagement, Kultur oder Freizeitangebote, vieles könne man hier nun umsetzen. „Räume schaffen Kreativität“, davon ist Joachim Thiehoff überzeugt.

Zehn Fest- und Aktionstage zur Eröffnung

Die Umgestaltung des lange Jahre leerstehenden und verfallenden Gebäudes und seines heruntergekommenen Umfeldes war das größte und teuerste Projekt im Stadterneuerungsprogramm „Wir machen MITte„. Den Abschluss will die Stadt nun in einer zehntägigen „Festwoche“ mit zahlreichen Aktionen feiern.

„Mit dem großen Eröffnungsfest am Freitag, 23. Februar, ab 10 Uhr, sowie in einem bunten Veranstaltungsreigen bis einschließlich Sonntag, 3. März, können die Dorstener ihren neuen Bürgerbahnhof und seine vielen Angebote und Möglichkeiten kennenlernen“, erklärt Stadtsprecher Ludger Böhne. Das genaue Programm soll in Kürze folgen.

In der geräumigen Küche des Bürgerbahnhofs strahlen Vertreter von Stadt, Bürgerschaft und der Dorstener Arbeit in die Kamera. Foto: Borgwardt

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