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Gerhard Nattlers Dorsten-Krimis: Kommissar Berendtsen ermittelt

„Die Bücher, die Herr Nattler schreibt, verkaufen wir hier wie geschnitten Brot“, lacht Barbara Seppi von der Stadtagentur. Ein Grund für mich, den Krimiautor doch einmal persönlich zu besuchen.

Wie so oft im Leben beschert „Kommissar Zufall“ ein neues Hobby. In Gerhard Nattlers Fall heißt er Kommissar Berendtsen. Ein Achillessehnenriss zwang den Apotheker im Ruhestand 2012 auf die Couch. „Irgendwann konnte ich nicht mehr nur lesen oder Kreuzworträtsel lösen“, erinnert er sich an seine Autorenanfänge. „Ich begann unsere Familiengeschichte für uns aufzuschreiben. Dabei entdeckte ich meine Leidenschaft für das Schreiben.“

Sein erstes Buch, das für die Veröffentlichung als Self-Publisher gedacht war, erzählt die Geschichte eines Hamburger Reeders, der in dunkle Machenschaften im Nahen Osten verwickelt wird. „Ich stellte das fertige Buch online und bekam bereits am zweiten Tag eine Superbewertung“, freut sich der Dorstener und stellte darauf sein Werk auch als Taschenbuch ein.

Die Idee zum zweiten Buch ließ nicht lange auf sich warten. „Nachdem ich einen Bericht über den Diamantenabbau in Afrika und über Matteo Messina Denaro gelesen hatte, begann ich sofort mit intensiver Recherche und trug viele interessante Details zusammen. Dennoch ist der Charakter in dem Buch fiktiv, wenn auch der berüchtigte Mafiaboss als Vorlage diente.“

Nach einem Tipp entstand die Figur des Kommissar Berendtsen

Einige Zeit nach der Veröffentlichung gab ein Bekannter dem Hardter den Tipp, dass lokale Krimis zurzeit sehr angesagt sind. Und so löst der ständig Gummibärchen essende Dorstener Kommissar Albert Berendtsen mit seinem jüngeren Kollegen Oliver Hallstein seit fünf Jahren alle Morde, die auf unserem Stadtgebiet geschehen sind.

Die Tatorte sind dabei real, ob am Krankenhaus, am Straßenstrich an der B225, im Hervester Bruch oder wie im neuesten Krimi im Schölzbachpark. Dort wird das Opfer von einem älteren Ehepaar morgens mit dem Kopf im Wasser gefunden und beschert dem Dorstener Kommissar somit einen neuen Fall. Die Morde an sich sind natürlich der Fantasie des Autors entsprungen, bei den Protagonisten hat der 76-Jährige schon gewisse Personen im Auge. Ältere Dorstener mögen den einen oder anderen, wie beispielsweise den alten Lateinlehrer am Petrinum, wiedererkennen.

Gerhard Nattler
In Gerhard Nattlers Arbeitszimmer entstehen neue Ideen für seine Krimis. Foto: Sklenak

Inspirationen liegen in Dorsten auf dem Weg

„Inspirationen bekomme ich, während ich unterwegs bin. Wenn ich etwas bemerke, das sich als Tatort oder auch nur als Erwähnung im Text eignen würde, so mache ich davon ein Foto oder tippe es direkt in mein Handy, damit ich es später zur Hand habe“, erklärt mir der Krimiautor und ergänzt: „Die Natur gibt genügend Anhaltspunkte zum Schreiben.“ Auch die Buchcover entstehen bis auf wenige Ausnahmen aus Fotos, die er in Dorsten aufgenommen hat. Weitere Ideenvorschläge kommen von alten Klassenkameraden oder von seinem ältesten Enkel, der seinen Opa bat, doch auch einmal über jüngere Dorstener zu schreiben. Auf diese Weise sind die beiden Krimis „Eine alte Geschichte“ sowie „Das Lockenparadies“ entstanden.

„Ich freue mich, wenn ich meine Bücher in den Regalen stehen sehe und weiß, dass sie gelesen werden. So habe ich während unseres Tirol-Urlaubs in einem dortigen Hotel eines meiner Taschenbücher entdeckt“, freut sich Gerd Nattler und fährt fort: „Ich denke nicht ans Aufhören. Schreiben ist ein wunderschönes Hobby und bringt sogar noch etwas ein“, lacht er und seine Frau Elisabeth ergänzt: „Ich freue mich, dass mein Mann ein so schönes Hobby gefunden hat. Dadurch bleiben wir beide fit im Kopf.“ Als ehemalige Lehrerin liegt es nahe, dass sie die Bücher lektoriert und auch das eine oder andere Mal ihrem Mann bei einer Formulierung hilft.

Der nächste Band steht bald im Regal

Noch vor den Sommerferien soll der neunte Band der Berendtsen-Reihe erscheinen. Zu kaufen ist er natürlich in der Stadtagentur, als E-Book oder Taschenbuch, sowohl online als auch in stationären Buchhandlungen.

Schützenfest Dorf Hervest 2025: Beim Königsball feiert das ganze Dorf

Am Samstagabend erreichte das Schützenfest Dorf Hervest 2025 einen seiner emotionalen und stimmungsvollen Höhepunkte: Der Allgemeine Bürgerschützenverein hatte anlässlich des 875-jährigen Dorfjubiläums nicht nur zum traditionellen Königsball geladen, sondern auch sämtliche Vereine des Dorfes zur gemeinsamen Feier eingeladen – mit überwältigender Resonanz. Zahlreiche Abordnungen aus den Ortsvereinen sowie befreundete Schützenvereine folgten der Einladung ins festlich geschmückte Zelt an der Friedhofstraße.

In ausgelassener Atmosphäre wurde das scheidende Königspaar Alexander Baldow und Antje Bartels gebührend verabschiedet. Die Party- und Showband „Mainstreet“ sorgte mit einem mitreißenden Musikprogramm für beste Feierlaune und Tanz bis in die Nacht. Die Band bewies einmal mehr, warum sie als feste Größe im Schützenfestkalender gilt – der Funke sprang sofort über, und die Stimmung im Zelt war auf dem Höhepunkt.

Mit dem Königsball endete die Amtszeit eines engagierten und beliebten Königspaares, das zwei Jahre lang die Farben des Dorfes mit Herzblut vertreten hat. Heute steht nun das Vogelschießen auf dem Programm – und damit die spannende Frage, wer in ihre Fußstapfen treten wird.

Das Schützenfest Dorf Hervest geht damit in seinen finalen Tag – und ganz Dorf Hervest fiebert der Krönung des neuen Königspaares entgegen.

Hier sind einige Impressionen des gelungenen Festabends (Fotos: C. Bewer):

Julia Holz, eine wahre Kämpferin

„Ihre Tochter wird nie wieder selbstständig leben können.“ Für Marlene und Norbert Holz kam diese Aussage der Krankenhausärzte völlig unerwartet. Am Morgen war Julia noch ganz normal zur Schule gegangen, nichts deutete darauf hin, dass dieser Tag ihr Leben grundlegend ändern würde. Doch Julia Holz war und ist eine Kämpferin und hat nicht nur sich selbst bewiesen, dass sie sehr wohl selbstständig sein kann.

Ich habe Julia in der Physiopraxis getroffen und ihre freundliche, offene Art fiel mir sofort auf. So bin ich mit ihr ins Gespräch gekommen und erfuhr ihre Geschichte, die mich tief berührte.

„Ich war 15 Jahre alt und hatte Pläne und Träume, wie jedes andere junge Mädchen in meinem Alter. In der Schule stolperte ich aber eines Tages, fiel drei Stufen hinunter und landete im Dorstener Krankenhaus, wo ich stationär aufgenommen und mein Bein geschient wurde“, erzählt mir Julia von ihrem Sturz, der 28 Jahre zurückliegt. „Beim späteren Haarewaschen beugte ich mich über das Waschbecken, verlor den Halt und stürzte erneut. Nachts wurde dann bei mir ein Anriss der Halsschlagader festgestellt, wobei nicht klar ist, ob dies eine Folge des Sturzes in der Schule oder im Krankenhaus war.“

Ein schwerer Weg zurück ins Leben

Julia wurde sofort in die Uniklinik nach Essen verlegt. Dort diagnostizierten die Ärzte einen Schlaganfall und entfernten einen Teil ihrer Schädeldecke, um den Hirndruck zu senken. „Ab da weiß ich erst einmal nichts mehr, denn ich lag fünf Wochen auf der Intensivstation im Koma und musste nach einem Multiorganversagen wiederbelebt werden. Als ich wieder wach wurde, musste ich alles während meiner Reha, die 351 Tage dauerte, neu erlernen: Schlucken, sprechen, essen, trinken, laufen“, erzählt Julia mir in einem Tonfall, der zeigt, dass sie ihr Schicksal angenommen hat. Es ist für mich kaum zu glauben, wie es dem Teenager damals erging und welch starke, lebensbejahende Frau heute vor mir sitzt.

Julia Holz hat bewiesen, dass sie sehr wohl selbstständig ist. Foto: Christian Sklenak

Nach Beendigung der Reha konnte Julia nicht mehr zurück in ihre alte Schule. Ihren Abschluss machte sie daher in einer Schule für körperbehinderte Schülerinnen und Schüler und fand nach einem Lehrgang in einem Berufsförderwerk eine feste Anstellung in der Wulfener Werkstatt für Menschen mit Behinderung. „Hier arbeite ich an der Rezeption, kümmere mich um alle Bürotätigkeiten und fühle mich nach 20 Jahren immer noch wohl“, strahlt Julia.

Julias Tag ist lang, um 15 Uhr hat sie Feierabend, danach warten noch fünf zusätzliche Bewegungseinheiten jede Woche auf sie. So gehört neben Physio- und Ergotherapie für die 43-Jährige auch noch therapeutisches Reiten zum festen Programm. „Das gehört für mich einfach selbstverständlich zu meinem Leben dazu“, betont Julia. „Wenn ich Urlaub habe, dann fehlt mir das richtig. Und außerdem merke ich es hier auch sofort“, lacht sie und zeigt auf ihre Bauchmuskeln.

Julia Holz beim therapeutischen Reiten. Foto: privat

Julia Holz ist zu recht stolz auf jeden Erfolg

Durch ihren Ehrgeiz und ihren Willen, wieder auf die Beine zu kommen, hat sich Julia nach anderthalb Jahren aus dem Rollstuhl herausgekämpft. „Das war für mich wieder ein weiteres Stück Selbstständigkeit“, ist sie auch heute noch zu Recht stolz auf jeden Erfolg, den sie durch ihr Training erreicht hat.

Heute benutzt Julia zwar noch einen Gehstock, hat Gesichtsfeldeinschränkungen auf der linken Seite und ihre linke Hand ist noch gelähmt, aber die Hervesterin ist fein mit ihrem Schicksal. Auch dass sie manchmal einen Lachflash bekommt, der bei ihrer Erkrankung nicht ungewöhnlich ist und den Julia nicht stoppen kann, nimmt sie gelassen hin. „Ich mache das Beste aus meiner Situation, verbringe Zeit mit meinem Freund, treffe mich mit Freunden, lerne Spanisch oder schreibe meinen zahlreichen Brieffreundschaften. Ich werde zwar manchmal schief angesehen, wenn ich lache oder wenn ich laufe, aber ich kann die Zeit nicht zurückdrehen und meinen Schlaganfall ungeschehen machen. Früher taten die Blicke und Bemerkungen weh, jetzt stören sie mich nicht mehr. Bevor jemand über mich urteilt, soll er erst einmal das durchgemacht haben, was ich erlebt habe“, bringt es Julia auf den Punkt.

59° 51′ N , 13° 33′ O: Nicole Ludigkeits neues Zuhause in Schweden

Was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn, wenn Sie an Schweden denken? Pippi Langstrumpf und ihre Villa Villekulla? So ist es jedenfalls bei mir. Mit der Realität hat diese Vorstellung natürlich wenig gemeinsam, außer der Tatsache, dass Schwedinnen und Schweden äußerst friedliche und entspannte Menschen sind, wie Nicole mir erzählt.

„Schweden ist anders, nicht besser und nicht schlechter, eben anders.“ So empfindet Nicole Ludigkeit, die mit ihrem Lebensgefährten Andreas Jabobi seit Januar 2024 in Schweden wohnt. Ich kenne Nicole bereits seit Jahren, und ich weiß, dass sie ein Freund schneller Entscheidungen ist. Von daher verwundert es mich nicht, dass sie von Dorsten erst in den Norden Deutschlands und anschließend noch weiter in den Norden gezogen ist.

Nicole Ludigkeit
Der Elch, das schwedische Wappentier. Foto: privat

Ihre große Veränderung begann während ihrer Reise zum Nordkap. „Wir waren total überwältigt von der grandiosen Natur und auch von der Herzlichkeit der Menschen dort“, ist Nicole immer noch begeistert. Im Überschwang der Gefühle wollten beide direkt einen feststehenden Wohnwagen auf einem Campingplatz in der Nähe der deutschen Grenze kaufen. „Zum Glück haben wir jedoch rechtzeitig festgestellt, dass die Wege zu Ärzten oder Geschäften in Norwegen dann doch zu lang wären.“

Warum Schweden?

Zu dem Zeitpunkt arbeitete Nicole in einem deutschen Hotel, das kurz darauf ein weiteres Hotel in Dänemark eröffnen wollte. Ihre Chancen dort zu arbeiten standen sehr gut, aber Dänemark war den beiden dann doch zu überlaufen mit Touristen, also rückte Schweden ins Blickfeld.

Auch Andreas ist scheinbar ein Freund der schnellen Entscheidungen und überraschte seine Partnerin vier Wochen später, als sie von der Arbeit nach Hause kam, mit den Worten: „Pack schnell etwas ein, wir schauen uns in Schweden vier Ferienhäuser an.“ Nicole war erst einmal irritiert und mit mehr als einem „ooookaaay“ konnte sie erst einmal nicht antworten.

Nicole Ludigkeit
Eine kleine Tankstelle in Schweden. Foto: privat

„Wir fuhren also los und schauten uns die Häuser an. Das erste Objekt lag zu einsam im Wald, aber das dritte Haus war perfekt für uns. Und somit waren wir nach Erledigung der Formalitäten zwei Wochen später stolze Besitzer eines schwedischen Häuschens.“

Noch dachte Nicole, sie hätten sich lediglich ein Ferienhaus gekauft. „Doch Andreas meinte plötzlich: ‚Lass uns doch einfach ganz hierbleiben, das Leben kann so schnell vorbei sein.‘“ Wer kann das besser beurteilen als er, der nach einem schweren Arbeitsunfall im Ruhestand ist? Diese Aussage war selbst für seine Lebensgefährtin erst einmal zu spontan. „Aber warum nicht“, dachte ich mir, „Andreas ist abgesichert und ich finde überall einen Job.“

So verließen sie ihr Haus in Büsum und zogen in eine 4.000-Einwohner-Kommune in Värmland, dem Sylt Schwedens, 60 Kilometer entfernt von Karlstadt. „Hier wohnen viele Holländer und Deutsche, mit denen wir uns gerne unterhalten, aber wir wollten Schwedisch lernen. Dazu besuche ich kostenlose Kurse, um im Herbst die D-Lizenz zu erwerben, mit der ich später auch eingestellt werden kann.“

Was ist in Schweden anders?

Inwiefern Schweden anders ist, beschreibt mir die gebürtige Dorstenerin folgendermaßen:

ID-Karte

„Ohne diese Karte läuft hier nichts. Damit gehst du zum Arzt, zur Bank, bezahlst deine Einkäufe, selbst mein Hund ist über meine ID angemeldet. Die ePA, die jetzt in Deutschland eingeführt wird, haben wir quasi schon ewig. Persönliche ‚Geheimnisse‘ sind hier nahezu unbekannt.“

Den Beweis lieferte der erste Besuch ihrer Nachbarn. Nicole erhielt Blumen, Andreas einen Zeitungsausschnitt mit allen Details zu ihrem Leben, vom Geburtsdatum bis hin zum Kaufpreis ihres Hauses. Wer jetzt denkt, dass ihm oder ihr das zu gläsern wäre, der wird jetzt erstaunt sein. „Auf einer öffentlich frei zugänglichen Webseite gibst du Namen, Adresse oder das Geburtsdatum einer Person ein und schon erhältst du ihre sämtlichen Daten, beispielsweise ihr Alter, die Anzahl ihrer Autos, ihre Arbeitsstelle oder die Höhe ihres Vermögens“, erklärt mir Nicole und fährt lachend fort: „So kannst du einen Single vorher gut durchchecken, ob er eine gute Partie ist.“

Nicole Ludigkeit
Nicole Ludigkeit vor ihrem neuen Zuhause in Schweden. Foto: privat

Stress

„Stress kennen Schweden nicht. Ich musste erst lernen, mich herunterzufahren und alles ruhiger angehen zu lassen. Während du in Deutschland eher fünf Minuten zu früh zur Arbeit kommst, so triffst du hier in der Regel erst fünf Minuten später ein. Aber bevor du mit deiner Arbeit anfängst, trinkst du erst einmal einen Kaffee.“

Kaffeepausen, die „fikas“, sind hier heilig und werden auch strikt eingehalten. „Dann geht nichts mehr“, erzählt mir die 47-Jährige. „Ich wollte mein Auto aus der Werkstatt holen, hatte bereits bezahlt und der Mann dort musste mir nur noch meinen Autoschlüssel geben. Aber dann war „fikar“ und so saßen wir beide auf der Bank vor der Werkstatt und warteten beim Kaffee auf das Ende der Mittagspause. Dann erst gab er mir den Schlüssel und ich fuhr nach Hause.“

Die Sprache

„Die Grammatik ist ziemlich knifflig. Wir haben hier viele Artikel und eine falsche Betonung eines Wortes bedeutet gleich einen anderen Sinn. Aber Verwandtschaftsgrade sind dafür hier direkt erkennbar. So ist die Mama die mor, ihre Mutter ist die mormor, die Mutter des Vaters dagegen ist die farmor. Die Schwester der Mutter wird als moster bezeichnet, die des Vaters als faster. Und wir reden uns nur mit Vornamen an und duzen uns. Das macht vieles einfacher.“

Nicole Ludigkeit
Foto: privat

Alkohol und die Jugend

„In der Öffentlichkeit ist es verboten, Alkohol zu trinken, daher siehst du keine Betrunkenen auf der Straße. Als alternative Freizeitbeschäftigung und um soziale Kontakte zu pflegen, ist es daher Jugendlichen ab 15 Jahren erlaubt, die A-Traktoren zu fahren. Diese Autos sind dann aber mehr rollende Diskokugeln, so geschmückt sind sie“, lacht Nicole.

Das Gesundheitssystem in Schweden

„Lange auf einen Arzttermin warten wir nicht. Wir rufen eine bestimmte Telefonnummer an oder nutzen die App und schildern unsere Beschwerden. Die Krankenschwestern, die hier eine andere Ausbildung erhalten, als in Deutschland, entscheiden dann, ob du ins Krankenhaus musst, mit einem Arzt verbunden wirst oder ob sie dir Medikamente aufschreiben. Als ich wegen Kniebeschwerden angerufen habe, landete ich plötzlich in einem Videocall und wurde aufgefordert, meine Knie zu zeigen. Für die Schweden ist diese Vorgehensweise normal, ich war erst einmal irritiert.“ Jetzt kann Nicole darüber lachen und erwähnt noch einmal: „Du siehst, Schweden ist anders, nicht besser, nicht schlechter, einfach anders.“

#144 Glosse von Anke – Sportliches Shopping

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Glosse von Anke: Der Alltag ist schon ernst genug. Deswegen serviert die Dorstenerin Anke Klapsing-Reich zum Wochenende eine Portion Heiterkeit. 

Vergnügliche Episoden aus dem Berufs- und Familienleben. Denn mit einem Lächeln geht gleich alles leichter.

Sportliches Shopping

„Wer rastet, der rostet“, besagt ein altes Sprichwort. Und ehrlich gesagt, knackt’s und zwirbelt es auch in meinen Ü-60-Gelenken, so dass ich es nicht mehr länger ignorieren kann. Also habe ich mich entschieden, etwas für das körperliche Wohlbefinden und die Gesundheit zu tun. Erster Schritt: Sportzeug kaufen. „Da kann ich Dir eine gute Adresse geben“, lotste mich eine Kollegin zu einer Filiale eines weltweit aufgestellten Sportartikelunternehmens mitten im Ruhrgebiet.

Einkaufskarre Marke „Bollerwagen“

Leicht irritiert betrat ich an einem besucherträchtigen Samstag die riesige Halle, die in meiner Vorstellung dem Charme des Berliner Zentralvieh- und Schlachthofes im Urzustand erstaunlich nahe kommt. Nur hängen dort keine toten Tiere am Haken, sondern nahtlose Badeanzüge, atmungsaktive Wanderjacken, Mikrofaser-Shirts und fliegenleichte Bra-Tank-Tops. Mit einer Einkaufskarre Marke „Bollerwagen“ rumpel ich durch ewig lange Gänge, vorbei an Sortimentreihen für Wassersportler, Bergwanderer, Radler, Nahrungsangebot-Regalen für Kraftsportler bis hin zur Abteilung Fitness.

Keine Verkäuferin in Sicht, die einer unerfahrenen reifen Dame ohne Idealmaße mit Rat und Tat buchstäblich auf die Sprünge hilft. Nachdem ich drei, vier erfolgversprechende Einzelteile von der Stange gepflückt habe, rumpel ich tapfer mit meiner Karre zu den Umkleidekabinen, die sich am Hallenhorizont aneinanderreihen.

Warteschlange vor dem Kassentrakt

Passt nicht. Steht mir nicht. Scheiß Farbe. Au weia! Am Ende liegen (fast) alle Klamotten wieder in der Karre. Ich beschränke mich auf die weißen Sneaker-Socken, lasse den Dreierpack dann aber angesichts der riesigen Warteschlange vor dem Kassentrakt doch unauffällig in einem Angebots-Wühltisch verschwinden und ergreife die Flucht.

Raus aus der Halle. Endlich an der frischen Luft! Donnerwetter, hätte gar nicht gedacht, dass ich noch so schnell laufen kann. Die flotte Florence Griffith-Joyner hätte an diesem Sprint ihre wahre Freude gehabt. Zweimal kräftig durchatmen und dann: Ab nach Hause! Zum Sportgeschäft in meiner City, mit dem übersichtlichen Sortiment und einer gut geschulten, freundlichen Verkäuferin.

Engelbert Bellendorf, der Hüter der Königsketten

„Unsere Familie ist seit ein paar Jahrhunderten als Metzger in Dorsten ansässig. Nur der Bruder meines Opas schlug einen anderen Weg ein und ließ sich bis 1990 als Uhrmacher in der Altstadt nieder“, erinnert sich Engelbert Bellendorf.

Alle männlichen Mitglieder der Dorstener Familie Bellendorf waren natürlich im Verein der Altstadtschützen aktiv, mehr noch, zumindest vier von ihnen waren auch Schützenkönige. „1887 mein Ur-Ur-Großvater Engelbert, 1903 mein Großvater Josef, 1967 mein Vater Engelbert und 2013 habe ich selbst den Vogel abgeschossen“, fährt der Gold- und Silberschmied fort.

Eine jahrhundertelange Tradition

Für alle, die mit dieser Tradition wenig vertraut sind: Dem neuen Schützenkönig wird die Schützenkette als Zeichen der neuen Regentschaft umgelegt. Diese Kette wird jeweils um die Münze des jeweiligen Schützenkönigs erweitert. Ein älterer Königsorden wird dafür entfernt, da die Kette sonst zu schwer wäre. „Zwei alte komplette Ketten liegen bereits im Tresor, sie sind zu wertvoll und auch zu historisch, um getragen zu werden, denn unser ältester Schützenorden stammt immerhin aus dem Jahr 1827“, weiß der ehemalige Schützenkönig.

Was nicht heißen soll, dass die neuen Ketten nicht wertvoll sind. Es sind wahre Kunstwerke, in denen viel Arbeit steckt, denn jeder neue Schützenkönig kann seinen Orden vom Schützenbruder Engelbert nach eigenen Ideen gestalten lassen. Wurden die Orden früher und in Kriegszeiten aus der Laffe eines Silberlöffels hergestellt und lediglich mit Namen und Jahreszahl versehen, so hinterlassen dort die Schützenkönige heute ihre eigenen Fußabdrücke mit Motiven wie beispielsweise der Mondlandung oder der WM im eigenen Land, einem Bierglas oder dem Konterfei eines lokalen Geschäftshauses.

Engelbert Bellendorf hütet die Königskette wie einen Schatz

Der Dorstener Gold- und Silberschmied fertigt diese traditionellen Orden für den offiziell 1487 gegründeten Schützenverein Altstadt. Da jedoch dem Buch „Dorsten, eine Zeitreise“ zu entnehmen ist, dass Dorstener Schützen am 20. August 1464 bei einer Xantener Prozession durch eine „Dreistigkeit sondergleichen“ aufgefallen sind, besteht der Verein möglicherweise doch schon etwas länger.

Die große Ausgehkette für den Schützenkönig. Foto: Christian Sklenak

„In jeder Münze der Königskette steckt nicht nur handwerkliches Können, sondern auch ein unschätzbarer ideeller Wert. Daher achte ich natürlich ganz besonders auf die Königskette und lasse sie kaum aus den Augen“, schmunzelt der „Hüter“ der Königsketten. „Nach dem großen Umzug und dem Krönungsball nehme ich sie direkt wieder an mich, bessere sie nach wilden Throntänzen regelmäßig aus und bewahre sie anschließend für besondere Anlässe gemeinsam mit der Königinnenkette sicher im Tresor auf. Der König trägt bei festlichen Anlässen dann stattdessen die kleine Königskette, die sogenannte Ausgehkette.“

Die Königinnenkette

Und damit komme ich jetzt zur Königinnenkette. Die Gemahlin des Königs trägt diese Kette, die für den Verein einen unschätzbaren Wert hat, da sie ursprünglich ein Teil der Königskette war. In der Mitte des silbernen Schützenwappens thront der heilige Nikolaus, einst Schutzpatron der alten Hansestadt Dorsten. Zu seiner Rechten ist das kurkölnische Schild mit dem Kreuz zu sehen, als Erinnerung an die Verleihung der Stadtrechte durch den Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden am 1. Juni 1251. Zu seiner Linken lehnt das städtische Wappen mit dem Schlüssel.

„Die heutige Königinnenkette ist vermutlich Mitte des 16. Jahrhunderts von dem Dorstener Goldschmied Peter Counter gefertigt worden, der auch die berühmte goldene Monstranz, im Besitz der Dorstener Kirchengemeinde St. Agatha, hergestellt hat. Dies belegen zumindest die auf der Rückseite der Kette eingravierten Jahreszahlen, die erste davon aus dem Jahr 1544“, erzählt mir Engelbert Bellendorf.

Die Königinnenkette aus dem 16. Jahrhundert. Foto: Christian Sklenak

Alle Königsketten und -münzen werden zu gewissen Anlässen öffentlich präsentiert. Momentan befinden sich 68 Münzen an der „großen Königskette“. Es sind jedoch leider nicht mehr alle alten Münzen vorhanden. So befanden sich 1755 einst 61 Königsmünzen an der Kette, die jedoch nicht mehr aufzufinden sind.

„Diese Ketten sind ein starker Kontrast zu unserer digitalen Welt und Erinnerungen, die über Jahrhunderte hinweg wieder lebendig werden. Ich sehe sie mir immer gerne an und erinnere mich an verstorbene Schützenbrüder und sehe deren Gesichter und Geschichten vor mir. Es ist, als blättere ich in einem alten Bilderbuch.“

Dorstener Energiegenossenschaft: Neuer Vorstand übernimmt Verantwortung

Die Dorstener Energiegenossenschaft hat eine neue Führungsriege. Dr. Stefan von den Driesch und Patrick Schmitz wurden auf der jüngsten Generalversammlung offiziell in den Vorstand gewählt. Sie folgen damit auf Johannes Becker und Lambert Lütkenhorst. Diese wurden nach über 16 Jahren intensiven Engagements in den genossenschaftlichen Ruhestand verabschiedet.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Peter Cosanne würdigte die scheidenden Vorstandsmitglieder für ihre langjährige und wegweisende Arbeit. „Ohne das herausragende ehrenamtliche Engagement von Herrn Becker und Herrn Lütkenhorst gäbe es die Energiegenossenschaft in dieser Form heute nicht“, betonte Cosanne. Beide waren seit der Gründung maßgeblich an der Entwicklung und am Aufbau der Genossenschaft beteiligt. Johannes Becker war zuvor im Vorstand der Vereinten Volksbank aktiv. Lambert Lütkenhorst prägte über Jahre hinweg das politische Geschehen in Dorsten als Bürgermeister.

Auch ihre Nachfolger werden das Amt ehrenamtlich führen. Patrick Schmitz ist hauptberuflich Leiter des Teams für Immobilienfinanzierung bei der Volksbank, Dr. Stefan von den Driesch arbeitet als Vertriebsmanager. Gemeinsam mit dem erweiterten Vorstand und dem Aufsichtsrat möchten sie die erfolgreiche Arbeit fortsetzen und unter teils schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen weiterhin in Projekte im Bereich erneuerbarer Energien investieren.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2009 verfolgt die Dorstener Energiegenossenschaft das Ziel, lokal saubere Energie zu erzeugen und Bürgerbeteiligung zu ermöglichen. Aktuell betreibt sie elf Photovoltaikanlagen – überwiegend auf öffentlichen Gebäuden. Im vergangenen Jahr wurden damit über eine Million Kilowattstunden Sonnenstrom produziert. Das ist genug, um rund 270 vierköpfige Eigenheim-Haushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen.

Schermbecker randaliert mit Messer: Polizei nimmt 41-Jährigen fest

Ein Ladendiebstahl in einem Supermarkt am Platz der Deutschen Einheit in Dorsten eskalierte am Mittwochabend (18. Juni) gegen 17.45 Uhr, als ein 41-jähriger Mann aus Schermbeck gewaltsam gegen seine Festnahme vorging. Der Vorfall endete mit seiner Ingewahrsamnahme durch die Polizei.

Der mutmaßliche Dieb wurde vom Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes beim Stehlen in einem Lebensmitteldiscounter ertappt. Als dieser ihn zur Rede stellte und festhielt, reagierte der Mann aggressiv: Er versuchte sich loszureißen, bedrohte den Sicherheitsmitarbeiter und zog ein eingeklapptes Messer aus seiner Tasche. Der Mitarbeiter reagierte geistesgegenwärtig und konnte dem 41-Jährigen das Messer aus der Hand schlagen. Doch damit war die Situation noch nicht beendet – der Täter trat im Anschluss nach dem Mitarbeiter.

Auch beim Eintreffen der Polizei zeigte sich der Mann uneinsichtig und aggressiv. Er leistete Widerstand gegen die Polizeibeamten und beleidigte sie. Um weitere Straftaten zu verhindern, wurde der Schermbecker in Gewahrsam genommen und zur Polizeiwache gebracht. Nach ersten Erkenntnissen stand er unter Alkoholeinfluss.

Glücklicherweise wurde bei dem Vorfall niemand verletzt. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Diese Woche im Kino Dorsten: Elio

In einer Kooperation mit dem Central-Kino Dorsten stellen wir jede Woche die neuen Filme im Kinoprogramm vor. Dieses Mal dabei: „Elio„, „28 Years Later“ und „F1“.

Diese Woche gibt es im Kino Dorsten den Animationsfilm „Elio“ und das Zombiedrama „28 Years Later“. Dazu gibt es die Vorpremiere des Formal-1-Films „F1“.


„Elio“

Foto: Disney

Der von Außerirdischen besessene Elio wird versehentlich in das Kommuniversum transportiert – ein interplanetarisches Paradies, das intelligentes Leben aus allen möglichen Galaxien beherbergt. Als man ihn fälschlicherweise für den Anführer der Erde hält, muss sich Elio ungewöhnliche Verbündete suchen, um eine Krise intergalaktischen Ausmaßes zu bewältigen und bei all dem darf er auf keinen Fall die Gelegenheit verpassen, seinen eigentlich großen Traum zu leben.

Beim Laden des Videos werden Daten an YouTube/Google übermittelt.

Die Hauptrollen spielen Ana de Armas, Keanu Reeves, Lance Reddick u.a.. Regie führte Len Wiseman.

„Elio“ läuft im Kino Dorsten täglich um 15.15 Uhr, 17.30 Uhr und 19.45 Uhr; Freitag und Samstag auch um 22 Uhr; Sonntag zusätzlich um 11 Uhr und 13 Uhr. FSK:6.


„28 Years Later“

Foto: Columbia

Es ist fast drei Jahrzehnte her, dass das Rage-Virus aus einem biologischen Waffenlabor entkommen ist, und noch immer gilt eine strikt verordnete Quarantäne. Einige Menschen haben Wege gefunden, inmitten der Infizierten zu existieren. Eine solche Gruppe von Überlebenden lebt auf einer kleinen Insel, die durch einen einzigen, stark verteidigten Damm mit dem Festland verbunden ist. Als einer der Bewohner die Insel verlässt, um in das dunkle Innere des Festlandes vorzudringen, entdeckt er Geheimnisse, Wunder und Schrecken und dass nicht nur die Infizierten, sondern auch die Überlebenden mutiert sind.

Beim Laden des Videos werden Daten an YouTube/Google übermittelt.

Die Hauptrollen spielen Aaron Taylor-Johnson, Jodie Comer, Ralph Fiennes u.a.. Regie führte Danny Boyle.

„28 years later“ läuft im Kino Dorsten täglich um 20:15 Uhr; Freitag und Samstag auch um 22:45 Uhr. FSK: 18


Vorpremiere: „F1“

Foto: Apple

Sonny Hayes (Brad Pitt) trägt den Spitznamen „Der Beste, der es niemals geschafft hat“. In den 1990er-Jahren galt er als hoffnungsvollstes Talent der Formel 1. Doch nach einem Unfall musste er die Profikarriere beenden. Seitdem fährt er gelegentlich Rennen in niedrigeren Klassen. Eines Tages tritt Sonnys ehemaliger Teamkollege Ruben (Javier Bardem), inzwischen Eigentümer eines vor dem Aus stehenden Formel-1-Teams, an ihn heran und bewegt Sonny zur Rückkehr in die Formel 1. Zu Rubens Team gehört Nachwuchstalent Joshua (Damson Idris), der fest entschlossen ist, auf der Rennstrecke sein ganz eigenes Tempo vorzulegen. Bald stellt Sonny fest, dass der eigene Teamkollege der erbittertste Konkurrent sein kann. Aber wenn die beiden etwas bewegen wollen, müssen sie zusammenarbeiten.

Beim Laden des Videos werden Daten an YouTube/Google übermittelt.

Die Hauptrollen spielen Brad Pitt, Damson Idris, Kerry Condon u.a.. Regie führte Joseph Kosinski.

„F1“ läuft im Kino Dorsten als Vorpremiere am 25.06.2025 um 20:00 Uhr. FSK: 12.


Dorsten: Drei Leichtverletzte bei Wendemanöver auf der B58

Bei einem Verkehrsunfall auf der Bundesstraße 58 wurden am Donnerstagnachmittag drei Menschen leicht verletzt. Eine 90-jährige Autofahrerin aus Reken hatte versucht, ihr Fahrzeug auf der Fahrbahn zu wenden – mit folgenschweren Konsequenzen.

Gegen 15.50 Uhr wollte die Seniorin auf Höhe der Einmündung Birkenallee eine Freifläche nutzen, um ihr Auto zu drehen. Zur gleichen Zeit war ein 82-jähriger Mann aus Dorsten ebenfalls in Richtung Wesel unterwegs. Obwohl er noch versuchte, dem wendenden Fahrzeug nach links auszuweichen, kam es zur Kollision.

Bei dem Zusammenstoß wurden beide Fahrer sowie eine 89-jährige Beifahrerin im Wagen der 90-Jährigen leicht verletzt. Alle drei konnten nach einer Behandlung durch den Rettungsdienst noch vor Ort wieder entlassen werden.

Die Bundesstraße 58 musste für die Dauer der Unfallaufnahme gesperrt werden. Der entstandene Sachschaden beläuft sich auf rund 17.000 Euro. Beide Fahrzeuge waren nicht mehr fahrbereit und mussten abgeschleppt werden.

Besuch bei Ferdinand Sax: Erinnerungen, Pferde und Herzlichkeit

Bei strahlendem Sonnenschein machte sich eine kleine Gruppe des Verkehrsvereins für Dorsten und die Herrlichkeit e.V. per Rad auf den Weg zum Pferdegestüt „Freudenberg“ in Schermbeck. Anlass des Besuchs war eine Einladung von Ferdinand Sax – einem echten „alten Dorstener“, wie ihn viele in der Region noch in guter Erinnerung haben.

Ferdinand Sax, heute 87 Jahre alt, war nicht nur leidenschaftlicher Traber, sondern gemeinsam mit seiner verstorbenen Frau Gertrud auch langjähriger Inhaber der einst angesehenen Metzgerei „Sax“ am Markt 3. Vielen älteren Dorstenerinnen und Dorstenern dürfte der Name noch ein Begriff sein. Heute lebt er mit seiner Lebensgefährtin auf dem idyllischen Gestüt in Schermbeck – umgeben von Pferden, Natur und unzähligen Geschichten aus einem bewegten Leben.

Ferdinand Sax
Ferdinand Sax. Foto: Verkehrsverein

Der Nachmittag bot nicht nur kulinarische Genüsse mit selbstgebackenen Torten, Schnittchen und erfrischenden Getränken, sondern vor allem Zeit für persönliche Gespräche. Sax berichtete mit bemerkenswerter Lebhaftigkeit aus seinem Leben – von der Traberbahn bis zur Jagdleidenschaft, von den Anfängen in Dorsten bis zum heutigen Alltag auf dem Hof.

Ein anschließender Rundgang über die weitläufigen Stallungen und Weiden rundete den besonderen Besuch ab. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig: Diese Begegnung war ein Geschenk – authentisch, herzlich und geprägt von gegenseitigem Respekt.

„Trilogy“: „Video“ als Brückenschlag

„Das Stück ‚Video‘ ist die neue Musik von Trilogy seit 26 Jahren“, erzählt mir Martin Breuer. „Komponiert wurde es von Jochen, Guido und mir im letzten Jahr und wir haben es auch direkt im August 2024 erstmals live bei unserem Revival in der Oude Marie gespielt. Der Begriff ‚Video‘ spannt für uns den Bogen von den glanzvollen 1980ern, als Musikvideos populär waren, bis zur heutigen Zeit, in der Videos auf Social Media als wichtigste Kommunikationsmittel dienen“, fährt er fort.

Die drei Teenager Jochen Kirstein am Keyboard, Ludger „Sammy“ Samson an der Bassgitarre sowie Drummer Martin Breuer gründeten die Band Ende 1976. Den Namen „Trilogy“ wählten sie bewusst, da die Band aus drei Musikern bestand und darüber hinaus als Hommage an das gleichnamige vierte Album von Emerson, Lake & Palmer gedacht war, das die Jungs musikalisch sehr stark beeinflusst hatte.

Erster Liveauftritt in Dorsten

Ihren ersten Liveauftritt hatte die Schülerband am 24. Oktober 1977 in ihrer Heimatstadt Dorsten. „Neben der kleinen Lichtanlage, die wir dabei einsetzen, sorgte nur noch Sammy mit seinem extrovertierten Auftreten im weißen Overall für die nötigen Showelemente“, erinnert sich Jochen.
Weitere Auftritte in Stadthallen und Jugendheimen in ganz NRW sowie im Westfalenpark in Dortmund folgten.

Trilogy
Trilogy beim Auftritt im Westfalenpark Dortmund 1980. Foto: privat

Richtig Fahrt nahm ihre Künstlerkarriere jedoch auf, als sie 1978 den ersten Platz bei Vest Rock, dem Vorläufer des Sparkassen Club Contests, ebenfalls gesponsert von der Sparkasse Vest, belegten. Guido Harding, der dort mit seiner damaligen Band „Topas“ ebenfalls an diesem Wettbewerb teilnahm, zog es musikalisch als zweiter Keyboarder nach diesem Auftritt zu den „Trilogys“. Der fünfte Mann, Detlef Deeken an der Gitarre, verstarb leider früh, das Quartett machte dennoch unter dem Namen „Trilogy“ weiter Musik.

„Dieser Sieg war unser Sprungbrett und brachte uns die nötigen Kontakte in der Szene. Unser Stil Musik zählte zum Progressive Rock und kam gut bei unseren Fans an“, berichtet mir Guido und Ludger ergänzt: „Das sah wohl auch Merlin W. Frank, Herausgeber und Inhaber eines Musikmagazins, sowie glücklicherweise Mitglied der Jury des Vest-Rock-Wettbewerbs, ähnlich und ließ unser Debütalbum ‚Here It Is‘ produzieren.“

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Trilogy in den 80ern: Treibsand und Nachtlichter

1981 steuerte die Band das bisher unveröffentlichte Stück „Treibsand“ zu einem Schallplattenprojekt der Rockinitiative Dorsten bei, und schon 1982 kündigte sich eine neue Ausrichtung an „Wir entschieden uns zunächst für eine neue musikalische Richtung, die kommerzieller und zugänglicher war“, erzählt Ludger weiter. „Da meine Hand nach einem Verkehrsunfall gelähmt war, ersetzte mich für diese Zeit Hartmut Kracht. So war ich dann 1984 auch nicht im Studio, als die zweite ‚Trilogy‘ LP ‚Nachtlichter‘ aufgenommen wurde. Ein weiterer Sieg bei einem Musik-Contest, der „WDR Stadtmusik“ in Köln, führte die Band 1984 noch einmal ins Studio, in dem sie mit dem WDR vier neue Tracks produzierten, von denen zwei auf der „Trilogy“ CD „Callback“ veröffentlicht wurden.“

Mit dem Ende des Studiums der Musiker klang die Hochphase des Progressive Rock allmählich aus. „Wir spielten dennoch bis 1987 weiter, allerdings reduzierten wir unsere Auftritte. Verdient haben wir nicht viel, aber es reichte immer für Pizza, Bier und für unser Equipment“, schmunzelt Guido.
„Aus den Augen verloren haben wir uns jedoch nicht. Wir sind weiterhin Freunde geblieben. Zu unseren 50. und 60. Geburtstagen spielten wir für unsere Gäste und als ich 60 wurde, interpretierten die Hornisten des Duisburger Symphonieorchesters ein Stück von uns auf Alphörnern. Das war schon sehr speziell“, erinnert sich Jochen an das Highlight.

Rückkehr im neuen Jahrtausend

2005 kehrten die vier Rockmusiker für ihren ersten großen Live-Gig nach vielen Jahren auf die Bühne im Treffpunkt Altstadt zurück. Dort begeisterten sie ihr Publikum und bewiesen, dass sie nichts verlernt hatten. Dies stellten sie auch weitere fast 20 Jahre später in der Oude Marie unter Beweis. Auch wenn Jochen, Martin, Guido und Ludger mittlerweile alle eine 6 vor ihrem Alter stehen haben, so haben sie ihr Publikum mitgenommen wie früher. Vielleicht lag es an der Musik, vielleicht auch an Sammys weißem Overall, der an dem Tag jedoch eine Latzhose war, vielleicht auch an der Atmosphäre. Für viele der 1200 Zuhörer war es jedenfalls wie ein Klassentreffen, wie sie den Bandmitgliedern später erzählten. „Jedenfalls hat es auch uns einen Riesenspaß bereitet“, sind sich die „Senior-Rocker“ einig.

Harte Bühnenarbeit

Doch auf der Bühne zu stehen bedeutet harte Arbeit. „Damit unsere Stück live gespielt werden können – erst recht nach so vielen Jahren, müssen wir intensiv üben“, betont Jochen und Martin ergänzt zum kreativen Prozess: „Nach einigen Diskussionen werden wir uns immer einig und entscheiden, welcher Weg musikalisch der Beste wäre. So kann sich jeder etwas ausleben“, bringt es Ludger noch auf den Punkt.

Trilogy
Trilogy heute, von vorne nach hinten: Guido Harding, Martin Breuer, Jochen Kistein und Ludger Samson. Foto: Sklenak

So auch in der aktuellen Komposition „Video“, in der verschiedene musikalische Einflüsse zu hören sind: Synthetische Klänge der 70er und 80er, Klangfarben aus der Klassik und eine rockorientierte rhythmische Struktur schaffen eine kleine musikalische Zeitreise in einem modernen Gewand. „Video“ malt ein Bild, das kontinuierlich in Bewegung ist, so wie auch die Musik der Band von einer anhaltenden Dynamik geprägt bleibt.

Noch in diesem Jahr ist geplant, das Stück auf einer Vinyl-LP als limitierte Sammler-Edition zu veröffentlichen. Für die Rückseite ist ein clubtauglicher Remix des Stückes vorgesehen. Später wird das Stück dann auch auf fast allen Streaming-Plattformen als Download zur Verfügung stehen.

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