Die weltpolitische Lage sorgt aktuell für Unsicherheit, auch bei vielen Menschen in Dorsten. Steigende Energiepreise, mögliche Inflationsrisiken und wirtschaftliche Spannungen werfen bei vielen eine zentrale Frage auf: Wie sicher ist mein Geld eigentlich?
Antworten darauf gibt Direktor Uwe Schniederjan von der Sparkasse Vest in Dorsten, der die aktuelle Lage für Privatkunden einordnet und erklärt, worauf Sparer jetzt achten sollten.
Ihr Geld ist in Deutschland durch ein mehrstufiges Sicherungssystem geschützt. Die gesetzliche Einlagensicherung garantiert jedem Kunden bis zu 100 000 Euro pro Institut, und zusätzlich gibt es das Sparkassen‑Sicherungssystem, das im Notfall weitere Mittel bereitstellt. Wir sprechen hier gerne von einer doppelten Absicherung innerhalb des Sparkassenverbundes.
Welche Mechanismen sorgen in Deutschland dafür, dass die Ersparnisse der Kunden geschützt sind, selbst wenn eine Bank wirtschaftliche Probleme bekommen sollte?
Erstens greift das Einlagensicherungsgesetz, das bis zu 100 000 Euro pro Kunde absichert. Zweitens existiert das institutsspezifische Sparkassen‑Sicherungsnetz, das im Krisenfall solidarisch Mittel aus einem gemeinsamen Fonds bereitstellt, in dem alle Sparkassen jährlich Beiträge einzahlen. Drittens überwachen die Bankaufsicht für Finanzdienstleistungen (kurz: Bafin) und die Bundesbank die Banken kontinuierlich und können frühzeitig eingreifen. Schließlich verlangen europäische Vorgaben von den Instituten, ausreichend Eigenkapital und Liquidität vorzuhalten, um mögliche Risiken und daraus resultierende Belastungen zu minimieren.
Die gesetzliche Einlagensicherung wird oft erwähnt. Was bedeutet sie konkret für Privatkunden und wo liegen ihre Grenzen?
Die gesetzliche Einlagensicherung sichert jedem Privatkunden bis zu 100 000 Euro pro Institut, unabhängig davon, wie viele Konten Sie dort führen. Beträge, die darüber hinausgehen, sind nicht gedeckt. Wenn Sie höhere Einlagen haben, empfiehlt es sich zusammen mit Ihrem Sparkassenberater in unterschiedliche Wertanlagen zu investieren um somit Risiken zu streuen. Der Fachmann spricht in diesem Fall von Diversifikation. Die Anlagen sollten jedoch ihrem persönlichen Anlageprofil entsprechen. Daher lohnt sich die Zeit für ein intensives Gespräch mit Ihren persönlichen Berater.
Neben der gesetzlichen Einlagensicherung gibt es bei den Sparkassen ein eigenes Sicherungssystem. Wie funktioniert dieses System und welche Rolle spielt es im Ernstfall?
Die Sparkassen bilden jährlich Beiträge in einen gemeinsamen Sicherungsfonds ein. Dieser Fonds dient als finanzieller Puffer, aus dem im Falle einer Zahlungsunfähigkeit einer Sparkasse die Einlagen der Kunden ausgeglichen werden können. Das System greift, bevor die gesetzliche Einlagensicherung zum Einsatz kommt. Mir persönlich ist bisher kein Fall bekannt, wo der Sparkassen-Sicherungsfonds in Anspruch genommen wurde.
Spüren Banken aktuell, dass die weltpolitische Lage – etwa der Konflikt im Nahen Osten – bei vielen Menschen zu mehr Unsicherheit beim Thema Geld führt?
Eindeutig ja. Wir beobachten, dass Kunden vermehrt nach Sicherheit für ihr Geld fragen. Das führt zu einer höheren Nachfrage nach Einlagen‑ und Sicherungsprodukten sowie zu einer leichten Umschichtung von risikoreicheren Anlagen in sichere Anleihen. Wir beraten aktiv, erklären die bestehenden Schutzmechanismen und bieten passende Lösungen an, damit das Vertrauen in die Sparkasse erhalten bleibt. Das ist auch unser Anspruch.
Steigende Energiepreise können die Inflation wieder antreiben. Welche Auswirkungen hätte das auf die Kaufkraft der Ersparnisse vieler Haushalte?
Steigende Energiepreise treiben die allgemeine Preisentwicklung nach oben, weil viele Güter und Dienstleistungen von Energie abhängig sind. Das führt zu Inflation, die die reale Kaufkraft Ihres Geldes verringert. Wenn die Zinsen auf Giro‑ oder Tagesgeldkonten unter der Inflationsrate liegen, verliert Ihr Erspartes an Wert. Langfristig bedeutet das, dass Sie weniger für Ihr Geld kaufen können, wenn Sie keine inflationsausgleichenden Anlagen wählen.
Viele Menschen lassen größere Summen auf Giro- oder Tagesgeldkonten liegen. Welche Risiken entstehen dadurch langfristig, wenn die Inflation steigt?
Auch hier gilt: Der wichtigste Risikofaktor ist der Verlust der Kaufkraft, weil die Zinsen meist niedriger sind als die Inflation. Zusätzlich verzichten Sie auf mögliche Renditen, die Sie mit anderen Anlageformen erzielen könnten. Gehen Sie ins Gespräch mit Ihrem Sparkassenberater und diversifizieren Sie Ihr Vermögen nach Möglichkeit sehr breit. Ohne Diversifikation konzentrieren Sie Ihr Vermögen auf ein Produkt, was das Risiko von Ertragsausfällen erhöht. Schließlich kann ein späterer Zinsanstieg zu spät kommen, um den Inflationsschritt auszugleichen.
Welche typischen Fehler beobachten Finanzexperten, wenn Menschen in Krisenzeiten versuchen, ihr Geld besonders sicher anzulegen?
Viele Anleger halten ihr gesamtes Vermögen in bar oder ausschließlich auf Tagesgeld, obwohl die Zinsen die Inflation nicht decken. Sie setzen häufig nur auf ein einziges Produkt und ignorieren die Kosten, die bei sogenannten „sicheren“ Anlagen anfallen können. Außerdem fehlt oft eine langfristige Strategie, sodass häufige Umschichtungen zu Verlusten führen. Diese Fehler reduzieren die Chance, das Vermögen zu erhalten oder zu vermehren.
Welche Rolle spielt Diversifikation – also die Verteilung des Geldes auf verschiedene Anlageformen – für private Anleger in unsicheren Zeiten?
Diversifikation verteilt Ihr Geld auf verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Immobilien oder Geldmarktprodukte. Dadurch kann ein Verlust in einem Bereich durch Gewinne in einem anderen ausgeglichen werden. Sie reduziert die Gesamtvolatilität Ihres Portfolios und erhöht die Wahrscheinlichkeit, die reale Kaufkraft langfristig zu erhalten. Eine ausgewogene Mischung ist daher ein zentraler Baustein einer stabilen Anlagestrategie.
Welchen grundlegenden Rat würden Sie Menschen geben, die sich aktuell Sorgen um ihre Ersparnisse oder ihre finanzielle Zukunft machen?
Vertrauen Sie auf die bestehenden Sicherungsmechanismen – die gesetzliche Einlagensicherung und das Sparkassen‑Sicherungssystem bieten Ihnen einen soliden Grundschutz. Streuen Sie Ihr Vermögen, indem Sie nicht alles auf ein Konto legen oder noch schlimmer, unterm Kopfkissen lagern. Investieren Sie in verschiedene Anlageformen. Denken Sie immer langfristig und wählen Sie Produkte, die zumindest die Inflation ausgleichen können. Prüfen Sie regelmäßig Ihre finanzielle Situation und passen Sie Ihre Strategie an veränderte Rahmenbedingungen an. Nutzen Sie Ihren Berater bei der Sparkasse Vest, um individuell passende Lösungen zu finden.