StartDorstenPolitikZukunft der Hürfeld-Halde in Dorsten: Olympia, Deponie oder Freizeitfläche?

Zukunft der Hürfeld-Halde in Dorsten: Olympia, Deponie oder Freizeitfläche?

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Kurz vor der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 18. Februar erreicht die Debatte um die Zukunft der Hürfeld-Halde einen neuen Höhepunkt. Aus einem Bürgerantrag ist innerhalb weniger Wochen eine Grundsatzdiskussion über Strukturwandel, regionale Verantwortung und den Umgang mit Bergbaufolgen geworden. Im Raum stehen drei Perspektiven: eine Deponie, eine Nutzung als Olympia-Standort oder die ursprünglich zugesagte Freizeit- und Naherholungsfläche.

Ausschusssitzung als nächster Schritt

Der Haupt- und Finanzausschuss tagt am Mittwoch um 17 Uhr im Dorstener Rathaus. Dort beraten die Mitglieder unter anderem einen gemeinsamen Antrag von CDU, SPD und Grünen zur möglichen Olympia-Beteiligung. Ziel ist es, verbindliche Erklärungen von RAG und Regionalverband Ruhr einzuholen und ein Planszenario für einen möglichen Ratsbürgerentscheid vorzubereiten.

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Damit geht es zunächst nicht um eine Bewerbung, sondern um die Schaffung einer belastbaren Entscheidungsgrundlage.

Entscheidung in Herten bestimmt den Zeitplan

Die Entwicklung in Dorsten hängt eng mit dem Bürgerentscheid in Herten zusammen. Dort stimmen rund 46.000 Bürgerinnen und Bürger darüber ab, ob sich ihre Stadt mit der Halde Hoheward an der Olympia-Bewerbung Rhein-Ruhr beteiligen soll. Die Abstimmung ist für den 19. April vorgesehen.

Erst wenn Herten ablehnt, könnte Dorsten als Alternativstandort ernsthaft in Betracht kommen.

Hürfeld Halde Dorsten soll Mülldeponie werden
Die Halde Hürfeld. Foto: Metropole Ruhr / Hans Blossey

CDU: Olympia als Option bei klaren Zusagen

Die CDU sieht in der Olympia-Idee eine mögliche Alternative zur Deponie und fordert verbindliche Aussagen der RAG. Fraktionschef Holger Krajewski betonte, die RAG müsse sich entscheiden, „entweder sie hält sich an die zugesagten Haldenverträge … oder sie sagt offen, dass wirtschaftliche Interessen für sie wichtiger sind.“

Damit macht die CDU deutlich, dass eine Olympia-Nutzung nur bei Einhaltung der ursprünglichen Vereinbarungen denkbar ist.

SPD: Prüfung ja, aber nur auf solider Grundlage

Die SPD unterstützt eine Prüfung der Olympia-Option, legt jedoch großen Wert auf finanzielle Klarheit. In ihrer Stellungnahme heißt es, eine Berücksichtigung als Alternativstandort hänge davon ab, „ob RAG, AGR und RVR bereit sind umzudenken.“

Fraktionschef Dirk Groß unterstreicht zudem, dass ohne belastbare Kostenübersicht keine Zustimmung erfolgen könne.

Grüne: Nachhaltige Nutzung statt Deponie

Die Grünen sehen Dorsten als möglichen Backup-Standort, fordern jedoch einen klaren Kurswechsel der beteiligten Unternehmen. In ihrer Stellungnahme verlangen sie, RAG und AGR müssten erklären, „was sie wirklich vorhaben“, nämlich entweder Renaturierung und nachhaltige Nutzung oder eine Fortsetzung der Deponiepläne.

Aus Sicht der Grünen steht dabei auch die Glaubwürdigkeit regionaler Strukturpolitik auf dem Spiel.

AfD: Bürgerbeteiligung im Mittelpunkt

Die AfD-Fraktion vermeidet eine inhaltliche Festlegung zur Olympia-Idee und betont stattdessen die Bedeutung direkter Demokratie. Fraktionsvorsitzende Simone Paulsen erklärte: „Bürgerbeteiligung ist wichtig und ein wesentlicher Bestandteil lebendiger kommunaler Demokratie.“

Die Fraktion unterstützt daher den Bürgerantrag und fordert eine transparente Beratung.

Die PARTEI: Fundamentalkritik am Olympia-Gedanken

Die PARTEI positioniert sich bewusst konträr. Ratsherr Boris Benkhoff äußert grundsätzliche Zweifel an Olympia-Großprojekten und formuliert in satirischem Ton: „Ja nee, is klar!“

Damit kritisiert er sowohl internationale Sportorganisationen als auch Großkonzerne und stellt infrage, ob Olympia der richtige Weg sei, um die Halde vor einer Deponie zu bewahren.

Bürgerinitiative und Bürgerschaft suchen Ausweg

Auch zivilgesellschaftlich wächst der Druck. Die Bürgerinitiative BISBU unterstützt den Olympia-Vorschlag als mögliche „gesichtswahrende Lösung“ für alle Beteiligten. Ziel bleibt die Renaturierung und Nutzung der Halde als Naherholungsgebiet.

Der Bürgerantrag von Uwe Kähler verfolgt denselben Ansatz. Er fordert eine Prüfung der Eignung der Halde als Olympia-Standort und einen Bürgerentscheid über eine mögliche Bewerbung.

Kundgebung gegen Giftdeponie Hürfeldhalde Dorsten der RAG
Kundgebung gegen Giftdeponie im Oktober 2024. Foto: Petra Bosse

Schlüsselrolle von RAG, AGR und RVR

Ob Dorsten tatsächlich eine Olympia-Option erhält, hängt maßgeblich von der Haltung der beteiligten Unternehmen und Verbände ab. CDU, SPD und Grüne verlangen übereinstimmend klare Aussagen der RAG zur Einhaltung der Haldenverträge, der AGR zu den Deponieplänen und des RVR zur regionalplanerischen Unterstützung.

Mehr als ein lokaler Streit

Die Diskussion um die Hürfeld-Halde reicht weit über Dorsten hinaus. Sie berührt zentrale Fragen des Strukturwandels im Ruhrgebiet. Es geht um die Verbindlichkeit früherer Zusagen, die Zukunft ehemaliger Bergbauflächen und die Balance zwischen wirtschaftlichen Interessen und gemeinwohlorientierter Nutzung.

Ausblick auf die kommenden Wochen

Die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses markiert den Beginn einer entscheidenden Phase. In den nächsten Wochen stehen wichtige Weichenstellungen an, darunter die Stellungnahmen von RAG, AGR und RVR, der Bürgerentscheid in Herten und mögliche Vorbereitungen für einen Dorstener Ratsbürgerentscheid.

Erst danach wird sich zeigen, ob die Hürfeld-Halde künftig für Sport, Freizeit oder eine Deponie steht.

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