Es sollte der große Neuanfang für den Wulfener Markt werden – doch daraus wird nun nichts. Die Entwicklungsgesellschaft Wulfen (EW) und die Investorengemeinschaft, die den Wettbewerb zur Neubebauung der Abrissfläche gewonnen hatte, haben ihre Zusammenarbeit einvernehmlich beendet. Die Verkaufsverhandlungen sind gescheitert, eine Bebauung liegt auf unbestimmte Zeit auf Eis.
Jahrelang prägte die verfallende alte Ladenzeile das Bild des Wulfener Markts. Nach ihrem Abriss entstand eine Brache, auf der ein modernes Stadtzentrum entstehen sollte. Der Siegerentwurf aus 2022 sah neben Wohn- und Geschäftsräumen vor allem viel Grün, barrierefreie Wege und ein Stadtteilcafé vor. Ziel war es, Alt-Wulfen und Barkenberg enger zu verbinden.
Hans Schmidt-Domogalla, Architekt des Siegerentwurfs, erklärte damals: „Wir haben den Bürgerplatz zum Gemeinschaftshaus orientiert gestaltet und einen kleineren Marktplatz am Ärztehaus vorgesehen. So kann die lange vermisste Gastronomie am Markt wieder aufleben.“
Wirtschaftliche Realität stoppt Neubau
Doch die Realität machte den Plänen einen Strich durch die Rechnung. Gestiegene Baukosten, hohe Zinsen und die komplizierte Statik der alten Gebäude machten das Projekt zunehmend unwirtschaftlich. Schon Ende 2023 hatte die Investorengemeinschaft angekündigt, zunächst nur eine Teilumsetzung – die Erweiterung des bestehenden Prisma-Gebäudes – zu prüfen.
Holger Lohse, Technischer Beigeordneter und Geschäftsführer der EW, erklärt: „Ich bedauere es sehr, dass das Konzept der Gewinnergemeinschaft nicht realisiert wird. Wir haben intensiv über eine teilweise Umsetzung verhandelt. Trotzdem war es nicht möglich, das Projekt wirtschaftlich umzusetzen. Nun haben wir Klarheit und können neu über Investoren und mögliche Folgenutzungen nachdenken.“
Auch Schmidt-Domogalla betont: „Durch die starke Inflation und die hohen Zinsen ist ein Neubau von Wohnungen, die nicht sozial gefördert werden, derzeit nicht marktfähig.“
Übergangslösung für die Brache
Als erste Maßnahme soll die Fläche zumindest hergerichtet werden. Ein Fuß- und Radweg soll die Marktallee mit dem Dimker Weg verbinden. Laut Stadt Dorsten „schaffen wir damit eine stadtverträgliche und wirtschaftlich vertretbare Nutzung der Fläche“. Diese Verbindung ist für Pendler, Schüler und Besucher des Wulfener Markts besonders wichtig.
Historische Probleme erschwerten Abriss
Bereits während des Abrisses stellte sich heraus, dass die Gebäude von vor 45 Jahren massiv von den Bauplänen abwichen. Dagmar Stobbe vom Planungs- und Umweltamt erläuterte 2024: „Die groben Abbrucharbeiten sind deutlich aufwendiger als erwartet, weil alte Baupläne nicht stimmten. Das erschwert die Schuttbeseitigung und erhöht die Kosten erheblich.“
Wulfener Markt bleibt zentrale Herausforderung
Für die Menschen in Wulfen-Barkenberg bedeutet die Entscheidung eine erneute Hängepartie. Viele hatten gehofft, dass die Brache zwischen Alt-Wulfen und Barkenberg bald wieder Leben ins Quartier bringt. Stattdessen muss die Stadt nun nach Alternativen suchen.
Holger Lohse fasst zusammen: „Der Wulfener Markt bleibt ein Symbol für den schwierigen Wandel Barkenbergs.“ Die Stadt steht nach eigenen Angaben bereits in Gesprächen mit möglichen Investoren, doch ein konkreter Neubeginn ist derzeit nicht absehbar. Für die Bewohner bleibt die Hoffnung, dass irgendwann ein Konzept umgesetzt wird, das Alt-Wulfen und Barkenberg dauerhaft verbindet.